Inzest-Kinder Felix und Stefan lernen leben

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Lukas Füglister

AMSTETTEN – Sie haben noch nie die Sonne gesehen. Einen Vogel gehört. Mit anderen Kindern gelacht. Allein würden die Inzest-Kinder den Weg ins Leben nicht finden.

Felix (5) und Stefan (18) – aufgewachsen im künstlichen Licht, in totaler Isolation. Von Geburt an hält sie Josef Fritzl (73) im Kellerverlies fest. Bis sie vor einer Woche befreit werden.

Jetzt leben die Kellerkinder in der Psychiatrischen Klinik Mauer in Amstetten (A). Im dritten Stock eines Pavillons werden sie intensiv betreut – zusammen mit ihrer Mutter Elisabeth (42).

24 Jahre lang hat das Inzest-Monster seine Tochter im Keller lebendig begraben – und immer wieder vergewaltigt. Zeugt mit ihr sieben Kinder. Drei holt Fritzl aus dem Kellerverlies in seine Wohnung.

Felix und Stefan hatten dieses Glück nicht. Nun müssen sie erst von den Ärzten an ihr neues Leben herangeführt werden. Möglichst behutsam. Denn die Buben kennen die «richtige» Welt nur aus dem Fernsehen. Alles ist neu für sie. Alles ist ein Schock.

Sonnenlicht sind sie nicht gewohnt. Mehr als vier Menschen um sich herum auch nicht. Und ausserhalb des Kellers können sie sich kaum räumlich orientieren.

Der fünfjährige Felix hat von den Ärzten einen Teddybär bekommen. Oft umarmt er sein neues Spielzeug – oder er klammert sich an seiner Mutter fest. Das berichtet die «Kronenzeitung».

Dem älteren Stefan sollen Goldfische auf dem Weg ins neue Leben helfen. Bereits im Keller soll er ein Aquarium gehabt haben – die Beschäftigung mit Fischen habe ihm in all den Jahren Trost gespendet.

Doch so richtig frei sind die Kellerkinder auch in der Klinik nicht: Die Fenster sind abgedunkelt, ein Frühlingsspaziergang bleibt ihnen verwehrt. Paparazzi lauern überall, wollen die ersten Bilder der Kellerkinder schiessen. «Deshalb können sie auch nicht im Park spazieren gehen», sagt ihr Anwalt Christoph Herbst.

Inzwischen wurde bekannt: Bis 1993 hat das Verlies nur aus einem Raum bestanden. Das bedeutet: Zumindest zwei der Kinder – darunter Stefan – mussten mit ansehen, wie das Inzest-Monster ihre Mutter vergewaltigte.

Die Kellerkinder von Amstetten: Es wird noch lange dauern, bis sie sich in der neuen Welt zurechtfinden.

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