Nahostexperte Tilgner über die US-Angriffe im Irak «Obama bricht sein Wahlversprechen»

ZÜRICH - US-Präsident Barack Obama versprach, die Kriege der USA zu beenden. Jetzt lässt er im Irak Luftschläge gegen die Isis-Terroristen fliegen. Nahost-Experte Ulrich Tilgner hält sie für wenig erfolgsversprechend.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Riitiseilen auf 1800 Metern Höhe Spielplatz für Mutige
2 Simba kommt zurück ins Kino - fast wie echt Der Lion King brüllt wieder
3 Nürnberg jagt den Joggerinnen-Grapscher PO-lizistinnen müssen...

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
15 shares
28 Kommentare
Fehler
Melden

Und wieder schlagen die USA im Irak militärisch los. Gegen die barbarischen Isis-Terroristen. Aber noch gibt sich Präsident Barack Obama ganz zurückhaltend. In seiner Rede im Weissen Haus gestern sprach Obama von «begrenzten Luftschlägen» gegen die Isis.

Bricht Obama damit sein Wahlversprechen? Er hatte doch geschworen, die Kriege in Afghanistan und im Irak zu beenden.

Blick.ch fragte Nahostexperte Ulrich Tilgner.

Herr Tilgner, sind die USA jetzt doch wieder im Krieg?
Obama ist der vierte US-Präsident, der Kriegshandlungen gegen den Irak befiehlt, nach Bill Clinton und den beiden Bushs. Damit bricht er sein Wahlversprechen.

Obama will US-Bürger in Erbil, der Hauptstadt der Kurden vor der Isis schützen. Warum lässt er sie nicht einfach ausfliegen? Warum sind ihm die Kurden überhaupt wichtig?
Die Kurden streben einen unabhängigen Staat an. Damit würde der Irak auseinanderfallen. Die USA sind dagegen. Mit dem Schutz der Kurden könnten sich die USA Einfluss sichern.

Obama redet von «begrenzten Luftschlägen». Was heisst das?
Die USA betreiben seit Wochen militärische Aufklärung in der Region. Sie wissen genau, wo die Isis-Kämpfer stehen. Und können daher gezielt zuschlagen.

Aber können begrenzte Schläge ihren Zweck erfüllen und die Isis stoppen?
Ich bezweifle das. Natürlich könnten schwere Waffen der Isis getroffen werden, vielleicht kann das Vorrücken der Isis verlangsamt werden. Aber die Isis ist jetzt gewarnt. Sie kann sich rasch umgruppieren.

Obama gibt auch an, Christen und die religiöse Minderheit der Jesiden vor der Isis schützen zu wollen. Was halten Sie davon?
So verkauft Obama seine mögliche Militäraktion. Denn völkerrechtlich sind solche Militäraktionen ein Problem! Wie will Obama das legitimieren?

Und, wird den Christen und Jesiden mit Raketen geholfen?
Glaube ich nicht. Ihnen würde viel besser geholfen durch Hilfsorganisationen. Diese könnten via Iran und Türkei in die umkämpften Regionen gelangen.

Wie steht es denn militärisch: Kann die Isis die Kurdenhauptstadt Erbil oder gar die irakische Hauptstadt Bagdad erobern?
Ich glaube nicht. Die Isis ist nur stark, wo sie sich auf sunnitische Iraker stützen kann. Das gilt natürlich für die Kurdenregion nicht. Und für die Region Bagdad nur teilweise. Es kann aber sein, dass die Isis den Propagandakrieg gewinnt. Lässt Obama Raketen abfeuern, besteht für ihn das Risiko, dass Isis das ausschlachtet als Krieg gegen alle Araber und Muslime.

Publiziert am 08.08.2014 | Aktualisiert am 08.08.2014
teilen
teilen
15 shares
28 Kommentare
Fehler
Melden
Zweifelt am Erfolg von US-Militärschlägen gegen die Isis: Nahostexperte Ulrich Tilgner. play

Zweifelt am Erfolg von US-Militärschlägen gegen die Isis: Nahostexperte Ulrich Tilgner.

ZVG

Isis erobert Staudamm

Isis-Kämpfer haben den grössten Staudamm des Irak erobert und damit die Kontrolle über Wasser- und Stromversorgung weiter Landesteile erlangt. Der Staudamm nahe Mossul sei seit der Nacht in der Hand der Dschihadisten, sagte ein Sprecher der kurdischen Peschmerga-Truppen, die die wichtige Anlage zuvor bewacht hatten. Die Millionenstadt Mossul hatte die IS bereits im Juni bei einer Blitzoffensive in ihre Gewalt gebracht. Seitdem zwangen die Islamisten die Bevölkerung, sich ihrer radikalen Auslegung des islamischen Rechts der Scharia zu beugen.

TOP-VIDEOS

28 Kommentare
  • Martin  Weber 09.08.2014
    Ja, dieser böse Obama - bricht er doch glatt sein Wahlversprechen, indem er etwas gegen diese Terrortruppe unternimmt. Als einziger Mensch auf der Welt. Ansonsten scheint sich ja niemand darum zu kümmern. Weder die UNO, noch die Russen, noch China und schon gar nicht die EU. Da werden halt Wahlversprechen noch gehalten. Obama muss aufpassen, dass er von den Isis nicht noch verklagt wird.
  • Urs  Hagen , via Facebook 09.08.2014
    Es hat alles System, wer dies nicht glaubt ist blauäugig. Die Israelis würden nie erlauben, dass sich wieder eine Macht in ihrer Nähe aufbaut.
  • Henry  Loosli , via Facebook 08.08.2014
    hört auf mit der kritik an allem obama macht wenigstens was die Eu diskutiert nur und die menschen werden abgeschlachtet. also lasst die arbeiten die arbeiten wollen finde es tragisch was die Journalisten sich heute bieten alles ist schlecht
  • René  Allgäuer 08.08.2014
    Zuerst sind alle entsetzt das die ISIS Kämpfer in Teilen Syriens und des Iraks Menschen bestialisch abschlachten und ihre blutigen Filme im Netz präsentieren. Jetzt wo B.Obama eingreifen möchte ist es auch nicht recht. Wäre er Präsident von Norwegen wären alle begeistert!
  • rolf  sulzer 08.08.2014
    da gibt es am rande der weltnachrichten eine kurze lakonische bemerkung, "die usa setzen im irak die luftwaffe ein um ihre landsleute vor den isis zu schützen". würde russaland rund um kiew bomben legen um ihre landsleute zu schützen gäbe dies ein weltaufstand.