ANNECY (F) - Die Hintergründe des Blutbads auf einem Wald-Parkplatz bei Annecy (F) liegen weiter im Dunkeln. Drei der vier Opfer wurden aber gezielt mit Kopfschüssen hingerichtet.
Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud erklärte an einer Medienkonferenz, er wisse nicht, «warum und weshalb diese Leute an dieser Stelle ermordet worden seien». Das Verbrechen sei aber von einer «immensen Grausamkeit». Die Täter hätten gezielt getötet, sagte Maillaud. Das Auto sei nicht von Schüssen getroffen worden.
Ein Velofahrer schlug gestern um 15 Uhr 48 Alarm: Er hatte auf einem Wald-Parkplatz bei Annecy einen BMW mit laufendem Motor entdeckt und dann die Leichen gefunden.
Es sei mit einer automatischen Waffe geschossen worden, sagte Maillaud. Insgesamt seien 15 Schüsse abgegeben worden. Bei den Opfern handelt es sich offenbar um drei Mitglieder einer britischen Familien und einem Velofahrer aus der Region.
Der «Vater», die «Grossmutter» und der Velofahrer wurden mit Kopfschüssen hingerichtet. Die Todesursache der «Mutter» ist noch unbekannt. Maillaud sagte, die verwandtschaftlichen Bande der Opfer sei noch nicht klar.
Zwei Mädchen (4 und 8) überlebten. Das Ältere kauerte schwerverletzt neben dem Auto.
Das jüngere Mädchen wurde erst nach acht Stunden im Auto entdeckt. «Ein Nachbar der britischen Familie auf dem Campingplatz gab an, dass es zwei Mädchen seien», sagt Maillaud.
Ein Helikopter mit einer Wärmebildkamera hatte das Mädchen zuvor nicht entdeckt, weil es sich unter den Beinen seiner toten Mutter im BMW versteckte. Das Mädchen sei im Schockzustand erstarrt gewesen, sagte Maillaud.
Bei der «Grossmutter» wurde ein schwedischer und ein irakischer Pass entdeckt.
Das britische Kennzeichen des BMW lautet auf den Namen Saad al-Hilli. Britische Medien schreiben, al- Hilli sei der getötete Familienvater. Der 50-Jährige stamme ursprünglich aus dem Irak und sei Geschäftsmann. Die Familie lebt in Claygate (Sussex) im Süden Londons. Vor dem Haus der Familie in Claygate sind inzwischen Polizisten stationiert.
Die Familie war am Montag auf dem Campingplatz angekommen. Sie wollten dort bis Ende der Woche bleiben.
Beim erschossenen Velofahrer handelt es sich um einen dreifachen Familienvater (45) aus der Region. Seine Frau hatte Alarm geschlagen, als ihr Mann gestern nicht von seiner Velotour nach Hause zurückgekehrt war.