Immer mehr kranke Kinder und Schwangere im Flüchtlingslager Idomeni versinkt im Elend

Es ist nass und kalt in Idomeni. Viele Menschen im griechischen Flüchtlingslager an der mazedonischen Grenze müssen im Freien schlafen. Wegen der schlechten hygienischen Bedingungen besteht akute Seuchengefahr.

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Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm: Ihre Mitarbeiter im griechischen Flüchtlingslager von Idomeni würden immer mehr «Säuglinge, Frauen im späten Stadium der Schwangerschaft sowie Menschen mit schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen und chronischen Erkrankungen» sehen, die medizinische Hilfe bräuchten.

«Die meisten Menschen sind aufgrund der hygienischen Bedingungen und dem kalten Wetter an Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Grippe erkrankt», heisst es in einer Medienmitteilung von gestern. «Ärzte ohne Grenzen hat mehr als 2000 medizinische Konsultationen in einer Woche durchgeführt.»

Gefährliche Brühe

In der Nacht auf heute und am Morgen hat es wieder heftig geregnet. Das Wasser unterspült die Zelte, durchnässt Wolldecken, durchmischt sich mit Abfall und Exkrementen und sammelt sich in Pfützen zu einer gefährlichen, gesundheitsschädigenden Brühe.

Kein Durchkommen mehr auf der Balkanroute

Etwa 14’000 Menschen stecken in dem Flüchtlingslager an der Grenze zu Mazedonien fest. Die Chancen für ein Weiterkommen in Richtung Westeuropa stehen schlecht: Nach Slowenien, Kroatien und Serbien hat nun auch Mazedonien seine Grenze für Flüchtlinge praktisch komplett geschlossen – in Zukunft dürfen nur noch Menschen mit gültigen Reisepässen und Visa einreisen.

Ein Haarschnitt und ein bisschen Hoffnung

Laut Ärzte ohne Grenzen schlafen Hunderte Menschen in der Kälte, weil zu wenig Zelte vorhanden sind. Die 150 Mitarbeiter der Hilfsorganisation verteilten in Idomeni pro Tag mehr als 2000 Decken, 35’000 Mahlzeiten und rund 1500 Hygiene-Kits. Zudem seien neue Wasserverteilstellen und chemische Toiletten installiert worden.

Schwere Vorwürfe an die Adresse der EU

Bei Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei sollen derweil Wege gefunden werden, den Flüchtlingszustrom in Richtung Westeuropa zu stoppen. Aurelie Ponthieu, Expertin für Flucht und Migration bei Ärzte ohne Grenzen, kritisiert das Vorgehen scharf: «Die europäischen Politiker haben den Bezug zur Realität völlig verloren.» Das Geschäft, das die EU und die Türkei derzeit aushandelten, sei zynisch.

Türken wollen mehr von allem

Ponthieu: «Offensichtlich ist Europa bereit, alles zu tun, um den Strom von Flüchtlingen und Migranten nach Europa zu stoppen, selbst wenn dafür grundlegende Menschenrechte und Prinzipien des Flüchtlingsrechts beschädigt werden.» Derweil leiste Ärzte ohne Grenzen seit fast einem Jahr Hilfe, was eigentlich in der Verantwortung Europas liegen würde.

Europas Entscheider dürfen laut Ponthieu «die durch ihre Politik verursachte europäische Migrationskrise nicht weiter befeuern, sondern müssen die einzige realistische und menschliche Antwort geben: sichere und legale Fluchtwege, humanitäre Hilfe und Sicherheit für die, die sie brauchen».

Publiziert am 09.03.2016 | Aktualisiert am 14.03.2016
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Griechenland am Anschlag 14'000 Flüchtlinge an der Grenze gestrandet

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4 Kommentare
  • Werner  Bieinisowitsch aus Sant Jordi
    09.03.2016
    Ich verstehe ja das Elend der Flüchtlinge, aber kann im Gegenteil kaum verstehen, dass sie nich in den umliegenden, arabischen Ländern Schutz und Hilfe suchen. Jedermann weiss, dass es je weiter nördlich, umso kälter und nässer wird, es ist in Europa Winter, liebe Leute. Warum glauben alle, dass sie in Europa ein "Schlaraffenland" vorfinden werden? Und dann "kopflos" die beschwerliche Reise auf sich nehmen. Total unverantwortlich mit Kindern, und Schwangeren.
  • Willy  Bald 09.03.2016
    Steht eine Olympiade oder sonst ein wichtiges Event in Aussicht, dann wird gebaut was das Zeugs hält. Container-Siedlungen werden beinahe über Nacht realisiert, aber wenn es um traumatisierte Flüchtlinge aus einem aussichtslosen Kriegsgebiet handelt, dann wird debattiert, Monate lang verhandelt und es passiert überhaupt nichts. 6 Milliarden Euro, und Aussichten auf einen EU-Beitritt, fordert die Türkei, mit diesem geld hätte man längst eine ganze Stadt auf die Beine gestellt.
  • clint  steel 09.03.2016
    Verstehe nicht wo die Millionen der Hilfswerke hinfliessen!! Es gibt viele Open Airs mit mehr Menschen und da wird auch innerhalb kurzer Zeit, die Infrastruktur aufgebaut !! Was Sind diese EU Politiker für Memmen ?!!!
  • Thomas  Müller aus Zürich
    09.03.2016
    Frau Ponthieu irrt sich gewaltig. Zu diesen katastrophalen Zuständen an der Grenze ist es nur gekommen, weil man zuvor die Grenzen völlig unüberlegt einfach für alle geöffnet hat. Asyl in Europa darf nur erhalten, wer in seinem Heimatland an Leib und Leben bedroht ist. Junge, kräftige Männer aus zwar armen, aber grundsätzlich sicheren Ländern sollen nicht einreisen dürfen. Wer illegale Migration unterstützt, macht sich bei diesem Drama mitschuldig.