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Während sechseinhalb Jahren hielten die kolumbianischen Narkorebellen der Farc Ingrid Betancourt (46) in Geiselhaft. Am 2. Juli 2008 erfolgte die unblutige Befreiung durch eine als Hilfsorganisation getarnte Spezialeinheit der Armee. Doch die «Operation Schach» hatte einen Schönheitsfehler: Ein Soldat hatte sich eine Rotkreuz-Binde an den Arm geheftet. Für Christine Beerli (55), Vizepräsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, war das ein klarer Verstoss gegen die Genfer Konventionen.
Frau Beerli, warum fühlt sich das IKRK missbraucht
Christine Beerli:? Weil das IKRK, um wirklich helfen zu können, für alle Konfliktparteien glaubwürdig sein muss. Auch dafür steht das Rote Kreuz.
Immerhin wurden Frau Betancourt und die anderen 14 Geiseln gerettet.
Darüber freuen wir uns natürlich. Aber das IKRK war an dieser Operation in keiner Weise beteiligt. Dies ist durch die offizielle Entschuldigung von Präsident Alvaro Uribe bewiesen.
Warum hat Ihre Organisation so heftig reagiert?
Weil unsere Mitarbeiter vor Ort in Gefahr geraten, wenn das Vertrauen in unsere Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verlorengeht. Dieses Sicherheitsrisiko betrifft auch die Opfer, denen wir Hilfe bringen wollen.
Was genau tut das IKRK zurzeit in Kolumbien?
Es handelt sich um eine ziemlich ausgedehnte Operation. Von unserer direkten Hilfe profitieren vor allem die Vertriebenen dieses internen Konflikts, etwa eine Million Menschen in den letzten zehn Jahren. Es gibt Projekte zur Wiederherstellung von zerstörter Infrastruktur. Und wir besuchen natürlich Gefangene.
Das heisst, dass das IKRK auch mehrere hundert Geiseln betreut?
Wir haben nur Zugang zu Gefangenen der Regierung. Zu den Geiseln und Gefangenen der Aufständischen, etwa der Farc, haben wir keinen Zugang – obwohl wir das immer wieder gefordert haben.
Wie beurteilen Sie die Vermittlerrolle der Schweizer Diplomatie im kolumbianischen Konflikt?
Wir haben Erfahrungen in jenem Bereich, in dem wir direkt mithelfen konnten. Darüber kann ich mir ein Urteil erlauben. Zur Arbeit des Schweizer Vermittlers kann ich nichts sagen. Dazu kann ich mich nicht äussern.
Haben die Schweizer Bemühungen die Arbeit des IKRK in irgendeiner Form behindert?
Sie haben unsere Arbeit weder positiv noch negativ beeinflusst.