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Eine zierliche Frau: Sie verschwindet fast hinter den Aktenbergen auf ihrem Schreibtisch. Doch Christiane Burkheiser hat es faustdick hinter den Ohren. Muss sie auch. Sie vertritt die Anklage im abscheulichsten Fall der österreichischen Kriminalgeschichte. Sie ist die Frau, die Josef Fritzl (73) vor Gericht bringen wird.
Dabei kam die Staatsanwältin aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten ganz zufällig zu diesem spektakulären Verfahren. «Ich hatte am 19. April Pikettdienst. Ich war von der Stunde null mit dem Fall betraut», erzählt sie. Für die junge Anklägerin gibt es seither kaum eine freie Minute. Ihr Büro verlässt sie nur, um sich ein paar Stunden in ihrer Wohnung hinzulegen. Sie deutet auf die Akte Fritzl, die vor ihr auf dem Schreibtisch liegt. Es ist nur eine dünne rosarote Mappe, aber sie umfasst das bis vor kurzem Unvorstellbare.
«Solche Protokolle durchzulesen ist schwierig. Man ist zutiefst schockiert. Ich bin aber zur Objektivität verpflichtet.» Täglich kommen weitere schreckliche Details hinzu. Das Monster sitzt nur zwanzig Meter hinter ihr, eingeschlossen im Gefängnis, das im selben Gebäude untergebracht ist.
Die junge Staatsanwältin hat den Fall ihres Lebens – nach nur zehn Monaten im Amt. Angst vor der grossen Herausforderung verspürt sie nicht. «Ich hab mir keine Sekunde überlegt, diesen Fall abzugeben.» Nächste Woche wird sie mit den Einvernahmen beginnen. Zum ersten Mal blickt sie dann Josef Fritzl direkt in die Augen. «Der Termin für das Verhör steht fest.»
Anders steht es mit der Befragung der Opfer. «Ihre Verfassung lässt dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu.» Für Burkheiser könnte es der schwerste Moment ihres bisherigen Lebens werden: «Ich weiss, dass mir das sehr nahe gehen wird.»