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Heute galt es ernst für Karl-Theodor zu Guttenberg. Das Vorgehen bei seiner Doktorarbeit wurde im Bundestag zerpflückt. In der Fragestunde des Parlaments stellte er sich den Fragen der Opposition.
Er habe ein «schlechtes Signal» ausgesendet, sagt Guttenberg zu Beginn. Er macht noch einmal deutlich, dass er nicht bewusst getäuscht habe, sondern «gravierende Fehler» gemacht habe.
«Lassen sie mich meine Fehler erklären. Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt.» Guttenberg spricht über die Belastung durch Familie, Doktorarbeit und seiner politischen Karriere. «Es stellte für mich offensichtlich eine Überlastung dar. Dazu braucht es keine Häme, man kann auch versuchen, das zu verstehen.» Dafür erntet er Applaus.
Auf die Frage, ob er noch ein Vorbild sei, sagt Guttenberg: «Seine Vorbildwirkung hat man sich jeden Tag zu erarbeiten.» Zwischenrufe: «Da sind Sie ja gerade dabei!» Er sei aber auch nur ein Mensch, sagt Guttenberg. Mit Fehlern und der Fähigkeit, eben diese zuzugeben.
Nun wird er in die Zange genommen. Die Frage im Zusammenhang mit der Einleitung seiner Doktorarbeit, die aus einem Zeitungsartikel entnommen wurde, wird gestellt: «Glauben Sie, die Menschen im Wissenschaftlichen Bereich für dumm verkaufen können?» Guttenberg antwortet: «Eben gerade nicht. Sonst hätte ich vorgestern nicht die Konsequenz gezogen.»
Guttenberg zu der Seite Guttenplag, wo die Plagiate gesammelt werden. Dort habe es «relevante Fehler», die in seiner Arbeit gefunden worden seien – doch es habe auch solche darunter, die ihm fragwürdig erschienen, und die erst überprüft werden müssten.
Rücktritt?
Die Frage nach einem Rücktritt wird noch einmal gestellt, weil er der Glaubwürdigkeit von Politikern im Allgemeinen geschadet habe. «Wenn man nicht zu seinen Fehlern steht», sagt der Minister. «Aber ich habe den Titel dauerhaft abgegeben und das schmerzt, das können Sie mir glauben.»
Guttenberg betont noch einmal, dass er die Doktorarbeit alleine geschrieben habe. Einen Rücktritt schliesst Guttenberg erneut aus. «Ich will das Amt des Verteidigungsministers weiter verantwortungsvoll ausführen», sagt er.
72 Prozent betroffen
Mittlerweile haben die Plagiatssucher im Internet festgestellt, dass 72 Prozent aller Seiten seiner Doktorarbeit Plagiate gefunden wurden. Guttenberg hatte «gravierende Fehler» eingeräumt und erklärt, dauerhaft auf seinen Doktortitel verzichten zu wollen.
Die Plagiats-Affäre schadete seinem Ansehen und vor allem seiner Glaubwürdigkeit: In einer Umfrage des «Stern» bescheinigte ihm nur noch jeder Zweite Glaubwürdigkeit, neun Punkte weniger als bei einer Umfrage vor drei Wochen. Knapp ein Viertel der Befragten erklärte, Guttenberg habe bei ihnen an Vertrauen verloren.
Uni prüft weiter
Auch nach der angebotenen Rückgabe des Doktortitels will die Universität Bayreuth seine Dissertation genau prüfen. Die Universität konzentriere sich darauf, «das notwendige Verfahren professionell weiterzuführen». Dies erklärte Universitätspräsident Rüdiger Bormann.
Aus Sicht der Uni Bayreuth, an der Guttenberg 2007 promovierte, ist es Guttenbergs Sache, ob er den Titel benutzt oder nicht. Die Hochschule sei damit aber nicht von der vorgeschriebenen Überprüfung seiner Doktorarbeit entbunden.
Opposition fordert Rücktritt
Die Opposition bekräftigte gestern ihre Forderung nach einem Rücktritt Guttenbergs. Aus ihrer Sicht hat der Verzicht Guttenbergs auf seinen Doktortitel daran nichts geändert.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: «Guttenberg wird nicht zu halten sein. Und am Ende wird ihn die Kanzlerin nicht halten können.» Da kein anderer Politiker so oft von Ehre und Anstand gesprochen habe wie Guttenberg, müsse der Minister nun konsequenterweise zurücktreten. (num/SDA)