«Ich trauere um ihn»

  • Publiziert: 28.08.2006, Aktualisiert: 03.01.2012

WIEN – Ein Psychologe verlas einen Brief von Natascha Kampusch. Aussagen, die eine Frage aufkommen lassen: Wird diese junge Frau je ein normales Leben führen können?

«Er war nicht mein Gebieter, ich war gleich stark. Er hat sich mit der Falschen angelegt. Er hat mich symbolisch gesprochen auf Händen getragen, aber mit Füssen getreten.» Das sind Zeilen aus einem Brief von Natascha über Wolfgang Priklopil. Natascha Kampusch, das Mädchen, welches mit 10 Jahren entführt wurde und acht Jahre in den Händen eines Psychopathen lebte (Blick Online berichtete). Am letzten Mittwoch gelang ihr die Flucht.

Natascha Kampusch schrieb im Brief über die acht Jahre als Gefangene: «Ich habe nicht das Gefühl, dass mir was entgangen ist. Es gab einen geregelten Alltag. Mit Frühstück, Hausarbeit.» Sie wisse, dass sie keine normale Kindheit und Jugend gehabt habe. So habe sie nicht mit dem Rauchen begonnen und keine falschen Freunde kennen gelernt. Sie habe jedoch Angst vor Einsamkeit gehabt.

Die heute 18-Jährige sollte den Psychopathen «Gebieter» nennen. Das hat sie aber nicht getan. «Ich nannte ihn nie Gebieter, obwohl er das wollte.» Und weiter: Sie werde keine Fragen über intime Details beantworten. «Die gehen niemanden etwas an.»

Über den Selbstmord des 44-jährigen Wolfgang Priklopil sagte die junge Frau: «Aus meiner Sicht war sein Tod nicht notwendig. Ich trauere in einer gewissen Weise um ihn, denn er war Teil meines Lebens.»

Nataschas Eltern haben ihr Kind noch nicht in die Arme schliessen können. Besonders die Mutter leidet sehr darunter. Polizei und Psychologen halten die Trennung für notwendig. «Natascha wird an einem geheimen Ort betreut, kann sich frei bewegen», sagte ein Polizeisprecher.

In einem Brief an den Vater schrieb der Teenager, dass es ihr zwar gut gehe, sie aber ein wenig Ruhe brauche. Ihr Psychologe Max Friedrich entgegnet dem: «Natascha ist seelisch schwer traumatisiert.»

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