TOULOUSE - Der französische TV-Sender «TF1» hat Aufnahmen des Gesprächs zwischen Attentäter Mohammed Merah und der Polizei veröffentlicht. Die Opferfamilien sind entsetzt.
Wie weit dürfen die Medien gehen? Was ist noch Pressefreiheit und was bloss pure Sensationsgier? Über diese Fragen diskutiert heute ganz Frankreich.
Der Privatsender «TF1» strahlte gestern Abend in der Sendung «Sept à Huit» Teile des Gesprächs zwischen dem Toulouse-Killer Mohammed Merah und der Polizei aus.
Merah hat sieben Menschen auf dem Gewissen. Zuerst tötete er drei Soldaten, dann erschoss er vor einer jüdischen Schule vier Menschen, drei davon Kinder.
Am 21. März umstellte die Polizei die Wohnung des Attentäters. Während 32 Stunden verschanzte sich Merah, danach wurde er von der Polizei erschossen. Während dieser Zeit entstanden die Tonaufnahmen.
Merah gibt sich darin ruhig, bestimmt: «Ich habe das nicht gemacht, um erwischt zu werden, siehst du», sagt er dem Polizisten. Dieser solle nicht vergessen, dass er, Merah, Waffen besitze.
«Ihr müsst wissen, dass ihr es mit einem Mann zu tun habt, der den Tod nicht fürchtet. Ich liebe den Tod so, wie ihr das Leben liebt», sagt er. Teilweise scherzt Merah sogar mit der Polizei: «Ich kann mir jetzt ja nichts mehr zu Essen machen, ihr habt mit euren Kugeln meine Mikrowelle getroffen.»
Merah behauptet mit Al-Kaida verbandelt zu sein. Ausserdem erklärt er seine Taten: «Meine Priorität war es, die Soldaten zu töten, weil sie in Afghanistan im Einsatz waren.»
Der Anschlag vor der jüdischen Schule sei nicht geplant gewesen: «Ich bin mit meinem Scooter gefahren und an der Schule vorbeigekommen. Da ist es halt passiert», sagt Merah.
Die Familien der Opfer sind von der Veröffentlichung der Aufnahmen schockiert. Ihr Anwälte kündigten einen Eilantrag an, um jegliche weitere Ausstrahlung der Tonaufnahmen verbieten zu lassen.
Die Sendung rief auch den französischen Innenminister Manuel Valls auf den Plan. Er verurteilte «TF1» für die Ausstrahlung der Aufnahmen. Der Sender habe nichts getan «um die Familien der Opfer zu respektieren. «TF1» verfügt laut eigenen Angaben über viereinhalb Stunden Tonmaterial.
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