Der Schweizer Albert Gehrig (58) überlebte Zyklon «Nargis» «Ich hatte Todesangst»

  • Publiziert: 09.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi
play Sturmgewalt: Der gewaltige Zyklon hat die Bäume wie Streichhölzer geknickt. (Albert Gehrig)

Eigentlich wollte er Urlaub an der burmesischen Küste machen. Dann erfuhr er von Zyklon «Nargis». Gehrig erlebte die Katastrophe in Rangun. Die Nacht, als «Nargis» kam, wird er nie vergessen.

Donnerstag vor einer Woche in Rangun: In seinem Zimmer des Panorama Hotel schaltet Albert Gehrig den Fernseher ein. CNN meldet, dass ein Zyklon im Anzug ist. Der Swisscom-Techniker will am nächsten Tag zum Strandurlaub im Süden Burmas aufbrechen. «Lieber nicht», denkt er sich jetzt und sagt den Flug ab.

Seine spontane Entscheidung hat Gehrig wahrscheinlich das Leben gerettet. Das Beach-Resort, das er besuchen wollte, hat der Sturm so gut wie vollständig zerstört.

Aber auch so wird er «Nargis» nie vergessen. «Freitagabend begann es zuerst heftig zu regnen. Dann kam der Wind. Und jedesmal, wenn ich glaubte, der Sturm habe seinen Höhepunkt überschritten, ging es mit noch grösserer Gewalt wieder los.»

Gegen Mitternacht plötzlich ein gewaltiger Krach: Im Zimmer nebenan ist ein Teil der Decke eingestürzt. Fensterscheiben bersten. Die vor dem Haus umstürzenden Bäume übertönen das Tosen des Zyklons. Gehrig: «Obwohl ich wusste, dass ich im Hotel in Sicherheit war, gab es Momente, in denen ich Todesangst hatte.»

Erst als «Nargis» am Samstagmittag abgezogen ist, wagt sich Gehrig mit seiner Kamera wieder vor die Tür. Immer wieder drückt er auf den Auslöser. Der Tourist ist erschüttert: «So eine Verwüstung habe ich in meinem Leben noch nie gesehen.» Der Schweizer, der in den Anden schon einige peruanische Kinder finanziell unterstützt, beschliesst spontan, auch den Zyklon-Opfern in Burma zu helfen.

«Ich habe eine buddhistische Nonne getroffen, die bereits mehrere Hilfsprojekte angestossen hat», erzählt Gehrig. «Sie werde ich unterstützen. Die Birmanen haben auf die Katastrophe mit so viel Tapferkeit und Willen zur Selbsthilfe reagiert – da musste ich einfach was tun.»

Den Urlaub hat sich Gehrig aber trotzdem nicht verderben lassen. Nach zwei Tagen Erholung im thailändischen Bangkok ist er an einen Strand im benachbarten Kambodscha geflogen.  

play Entfesselte Elemente: «Nargis» peitscht den Regen durch die Strassen von Rangun. Und Albert Gehrig fotografiert. (Albert Gehrig)

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