Armer Berlusconi! «Ich hasse meinen Job!»

  • Publiziert: 21.10.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

ROM – An Italiens Spitze weht ein harter Wind. Den spüren selbst aalglatte Typen wie Regierungschef Silvio Berlusconi (73). Jetzt badet er im Selbstmitleid.

Sein Privatleben ist ein Scherbenhaufen, seine Politik lässt Beobachter an die Decke gehen. Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi muss die Scheidung, den Kampf gegen Sex-Gerüchte und Korruptions-Vorwürfe sowie die Staatsführung unter einen Hut bringen. Daneben ist er mit eigenen Medienhäusern, Liegenschaften, Versicherungen und seiner AC Milan beschäftigt.

Warum tut sich der «Cavaliere» das alles an? Aus reinem Pflichtgefühl: «Eigentlich regiere ich überhaupt nicht gern», sagt Berlusconi gegenüber «CNN». Aber als «einziger fähiger Führer, der die Mitte-Rechts-Regierung Italiens zusammenhalten kann», müsse er da durch. Der ehemalige Sänger auf Kreuzfahrt-Schiffen stieg 1994 in die Politik ein, um Italien vor den Linken und der kommunistischen Ideologie zu retten, wie er erklärt.

«Ein schweres Leben»

«Was ich tue, mache ich mit einem Gefühl der Aufopferung», sagte Berlusconi weiter. «Ich mag es nicht wirklich. Überhaupt nicht.» Damit nicht genug: «Es ist ein schweres Leben, für die Regierung in einem Land wie Italien verantwortlich zu sein.»

Berlusconi geizt nicht mit peinlichen Ausrutschern – Blick.ch-Leser erinnern sich an den «gebräunten Obama» oder die auf den italienischen Schreihals not amused reagierende Queen (siehe Video unten). Darauf angesprochen blockt Berlusconi ab: Er habe sich keinen einzigen Fauxpas geleistet. «Sie alle werden von den Zeitungen erfunden.» Er denke immer, bevor er spreche.

Nicht alle Witze sind lustig

«Ich erzähle Geschichten und Witze», gab der 73-Jährige zu. «Aber nur Witze, die jedermann erzählen können. Ich bin mir immer bewusst, worüber wir gerade reden.» Nur: Berlusconis loses Mundwerk mobilisierte Italiens Frauenwelt zuletzt, für seine Festnahme zu kämpfen (siehe Kasten). Denn auch sie hassen seine Arbeit! (dip)

98'000 Frauen gegen Berlusconi

Dass nicht alle Italiener Fans Ihres Premiers sind, zeigt eine Petition, die bis heute mehr als 98000 Frauen unterzeichnet haben. Ziel: die Festnahme Berlusconis. «Dieser Mann beleidigt uns», heisst es in der von der linken Zeitung «La Repubblica» initiierten Petition. Anlass war eine TV-Diskussion, in der Berlusconi die Abgeordnete Rosy Bindi als «eher schön als intelligent» bezeichnete.

Berlusconi falle mit seinen anzüglichen Bemerkungen zu Alter und Aussehen von Frauen in eine «Epoche vor dem Feminismus» zurück, erklärte die Schriftstellerin Lidia Ravera. Auch sie unterzeichnete.

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