«Ich floh aus der Sex-Sekte»

  • Publiziert: 11.04.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Lukas Füglister
play Frauen und Kinder, die von der Polizei aus dem Camp der Sekte geholt werden. (AP/Laif)

NEW YORK – Vielweiberei, Folter, Kinderschändung. Ein ehemaliges Sektenmitglied erzählt.

Carolyn Jessop (40): Sie hat die Flucht aus der Sex-Sekte geschafft: Nach 35 langen Jahren gelang es ihr, sich von der «Fundamentalistischen Kirche der letzten Tage» abzusetzen.

Von jener Sekte, die in den letzten Tagen die Welt schockierte: 419 Kinder haben die Behörden von der Sex-Ranch befreit. Schon mit 12 Jahren wurden die Mädchen den Sektenjüngern zugeteilt – und von ihnen vergewaltigt und misshandelt. Eine 16-Jährige hatte die Behörden über das perverse Treiben auf der Ranch informiert (Blick.ch berichtete).

Auch Carolyn Jessop litt unter den Schandtaten der Sekte: Mit 18 Jahren musste sie einen 50-jährigen Sektenguru heiraten – als seine vierte Frau. Er zwang sie zum Sex und quälte sie. 8 Kinder brachte sie für ihn zur Welt. Dann war sie das Treiben leid: Sie ergriff mit ihren Kindern die Flucht. Das war vor fünf Jahren.

«Die Sekte übt eine Form von Kinderschändung aus, versteckt hinter einer religiösen Fassade», erzählt Jessop dem amerikanischen Fernsehsender MSNBC. Vom Mut des Mädchens, das die Polizei anrief, ist sie tief beeindruckt: «Sie muss an einem Punkt angelangt sein, wo sie lieber gestorben wäre, als so weiterzuleben.»

Carolyn Jessop selbst brauchte viele Jahre, bis sie die Kraft aufbrachte, sich von der Sekte zu lösen. Doch als ihr Mann sie von den Kindern trennen wollte, war genug. «Ich hatte keine Kontrolle über mein Leben oder über das meiner Kinder. Es war furchtbar.»

50 Kinder hatte Jessops Mann insgesamt. Jedes machte er sich gefügig: Er hielt sie kopfüber unter einen Wasserstrahl. Bis sie nicht mehr atmen konnten. «Er nannte das ‹die Kinder brechen›».

Sie schändeten die Kinder im Tempel

Im Tempel auf der Ranch der «Fundamentalistischen Kirche der Heiligen der Letzten Tage» haben die Ermittler ein Bett gefunden. Auf ihm sollen sich die Sektenjünger nach dem Gebet an den Mädchen vergangen haben. Zudem haben die Fahnder hunderte von Kisten Material, mehrere verschlossene Tresore und Computer beschlagnahmt. Was mit den 419 von der Ranch in Eldorado (Texas) evakuierten Kindern passiert, soll ein Gericht entscheiden. Die Sekte hat ihre Anwälte aufgeboten.
play Carolyn Jessop flüchtete vor fünf Jahren aus der Sex-Sekte. (AP/Laif)

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