Berlusconi «Ich bin nicht krank, ich bin Superman!»

  • Publiziert: 02.09.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

ROM – Sexfotos, Nacktpartys, Nächte mit Prosituierten, auf Kriegsfuss mit der Kirche. Jetzt will Italiens Opposition Berlusconi zum Psychater schicken. Seine Reaktion spricht für sich.

Silvio Berlusconis ausschweifendes Leben gibt seit geraumer Zeit zu reden. Erst die angebliche Affäre mit der 18-jährigen Noemi Letizia (Blick.ch berichtete). Dann war da das Escort-Girl Patrizia DAddario, die von üppigen Abendessen mit umso brisanteren «Nachspeisen» erzählte. Dazu eine weitere Prostituierte, die von einer heissen Nacht zu berichten wusste.

Jetzt hat die italienische Opposition genug von Berlusconis Eskapaden und seinen abstrusen politischen Ideen. So verlangte er jüngst, dass sich die Sprecher der EU-Kommissare sowie die Kommissionsmitglieder nicht mehr öffentlich zu europäischen Themen äussern sollten. Lediglich der EU-Kommissionspräsident müsse seine Meinung kundtun.

Ab auf die Couch

Da platzte Berlusconis Gegnern der Kragen: Der 72-Jährige müsse sich umgehend einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen, bevor er den «Stiefel» weiter regiere. Das verlangte der Oppositionsführer und frühere Staranwalt Antonio Di Pietro. «Er ist mit der ganzen Welt aufs Kriegsfuss», wetterte er. Mit Spott und Entrüstung nehmen die politischen Gegner mittlerweile zur Kenntnis, was ihr Regierungschef anstellt.

«Ich bin nicht krank, ich bin Superman»

Doch Berlusconi ist da ganz anderer Meinung: «Ich antworte nicht auf die Fragen einiger Zeitungen bezüglich meiner Gesundheit. Es genügt, das zu betrachten, was ich in diesen 15 Monaten Amtszeit getan habe, um zu begreifen, dass ich nicht krank, sondern Superman bin», wirft er Jounalisten am Rande eines Besuches in Danzig entgegen. (spj/s5j)

Berlusconi verklagt Tageszeitung auf 3 Mio.

Jetzt greift «Superman» durch: Er verklagt die Tageszeitung «LUnità» auf 3 Millionen Franken Schadensersatz. Hintergrund sind mehrere Ausgaben der Zeitung im Juli, die sich unter anderem mit Sexskandalen beschäftigen, in die der Premier verwickelt gewesen sein soll.

Zuvor hatte Berlusconi bereits Schadenersatz in Millionenhöhe von der linksliberalen italienischen Tageszeitung «La Repubblica» gefordert und auch ausländischen Zeitungen mit rechtlichen Schritten gedroht.

Opposition geschockt

Oppositionschef Dario Franceschini sieht die Medienfreiheit bedroht: «Da er die Wahlen gewonnen hat, meint Berlusconi, er sei der Herr über den italienischen Staat. Er duldet keine Kritik. Die jüngsten Attacken gegen die Pressefreiheit sind eine wahre Einschüchterunsaktion.»

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