Armer Berlusconi! «Ich bin der am meisten verfolgte Mensch aller Zeiten»

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ROM – Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich nach der Aberkennung seiner Immunität durch das Verfassungsgericht erneut als Justizopfer dargestellt.

«Ich bin der am meisten von der Justiz verfolgte Mensch aller Zeiten und in der ganzen Welt», sagte Berlusconi. Er habe mehr als 2500 Anhörungen und 106 Verfahren erdulden müssen, so der italienische Ministerpräsident. Mehr als 200 Millionen Euro (300 Millionen Franken) habe er für Berater und Anwälte ausgegeben, sagte er und leistete sich einen Fauxpas, da er statt «Anwälte» zunächst «Richter» sagte.

Die gegen ihn anstehenden Strafverfahren, mit deren rascher Wiederaufnahme er nun rechnen muss, bezeichnete er als «Farce» und kritisierte erneut die Entscheidung vom Mittwoch, das 2008 erlassene Immunitätsgesetz zu kippen.

Absage für Solidaritätsdemonstration

Berlusconi teilte den Forderungen einiger seiner Anhänger nach einer Solidaritätsdemonstration auf den Strassen Italiens eine Absage. Seine Regierung habe auch so die breite Unterstützung des Volkes, sagte er dem Fernsehsender TG5.

«Es ist klar, dass wir die Mehrheit haben und dass wir fünf Jahre regieren werden», sagte er. «Wenn es eine Regierung gibt, die durch die Unterstützung des Volkes legitimiert ist, dann ja wohl unsere.»


Die Staatsanwaltschaft in Mailand entschied heute zudem, Berlusconi nicht als Zeugen im Prozess gegen seinen früheren Anwalt David Mills aussagen zu lassen. Berlusconi habe der Presse gesagt, er kenne Mills nicht und wisse auch nichts über die Sache, begründete das Gericht den Entscheid nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa und wies damit eine Forderung der Verteidigung zurück.

Berlusconi soll Mills für Falschaussagen in Prozessen der 90er Jahre 600000 Dollar (620000 Franken) bezahlt haben. Im Berufungsprozess gegen Mills forderte das Gericht die Bestätigung der bereits verhängten vier Jahre Haft. (SDA)

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