IBM, Vietnam und Internetsex

  • Aktualisiert am 03.01.2012

WHITE PLAINS (USA) – IBM entliess James Pacenza, weil er sich bei der Arbeit Pornos im Internet anschaute. Kommt es zu einem wegweisenden Urteil?

Vietnamveteran James Pacenza (58) war nach 19 Jahre IBM fristlos entlassen worden. Der Grund: Der Computerriesen kündigte dem Mann, weil er zu oft vor dem Computer weilte! Allerdings sass er nicht für seinen Arbeitsgeber vor dem Rechner, sondern weil er während der Arbeitszeit im Internet surfte und Chaträume aufsuchte, angeblich auch solche mit sexuellen Inhalten.

Dennoch empfindet er seine Entlassung als ungerechfertigt und verklagt das Unternehmen auf umgerechnet 6,8 Millionen Franken. Pacenza stützt sich dabei auf den «American with Disablilites Act» (ADA).

Das ADA verbietet Diskriminierung aufgrund einer Behinderung in der Arbeitswelt. Und Pacenza fühlt sich diskriminiert. Denn: Wegen des Vietnamkriegs habe er eine Trauma erlitten, das in eine Sex- und Internetsucht ausartete. Wenn ihm Bilder von damals hochkämen, würde das Internet ihn beruhigen. Seine Entlassung sei damit offensichtlich diskriminierend – sie gründe darauf, dass man ihn wegen eines «Gebrechens» entlassen habe.

IBM passt das Ganze natürlich gar nicht. Man habe Pacenza bei einem ähnlichen Vorfall bereits verwarnt. Und ausserdem falle Sexsucht nicht unter das ADA, von Diskriminierung könne keine Rede sein. Aber Pacenzas findiger Anwalt setzt laut «USA Today» noch einen drauf: IBM habe Pacenza auch wegen seines Alters entlassen wollen, es handle sich hier also um einen zweifachen Fall von Diskriminierung.

Pacenza hat sich jetzt an das Bundesgericht gewendet. Sollte es eine Verhandlung geben, könnte sie einen wichtigen Präzedenzfall schaffen: Der Prozess könnte darüber entscheiden, wie weit Arbeitsgeber das Benutzen Internets während der Arbeitszeit einschränken dürfen. Und er könnte Massstäbe dafür setzen, ab wann jemand in einem medizinischen Sinne als internetsüchtig» gilt.

Wie Alkoholsucht

Die Stanford Universität veröffentlichte vergangenes Jahr eine Studie, wonach 14 Prozent der amerikanischen Internetbenutzer ein Suchtverhalten aufwiesen. Sie vernachlässigten Arbeit, Schule, Familie, Essen und Schlaf. Dabei benutzen Viele das Internet, um einer schlechten Stimmung zu entfliehen. Eine Tendenz, die stark an den Alkoholismus erinnere.
Es kostet IBM viel Geld, würde der ehemalige Mitarbeiter als «internetsüchtig» eingestuft.- Reuters

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