Fast 10 000 Tote bei Erdbeben in China Hunderte Kinder verschüttet

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Martin Meier

In den Schulhäusern ist der Unterricht in vollem Gang. Da bebt die Erde. Und wie.

Es ist das schwerste Erdbeben in China seit 30 Jahren. Zwei Minuten lang scheint sich der Untergrund im Südwesten des Landes zu verflüssigen. Alles bewegt sich. Die Seismologen messen die Stärke 7,8 auf der Richterskala. Dieser Naturgewalt sind Gebäude nicht mehr gewachsen.

Fabriken, Wohnhäuser, Spitäler stürzen ein – und mehrere Schulhäuser. In der Grossstadt Dujiangyan werden in einer einzigen Schule bis zu 900 Schüler begraben.

Tausende Menschen fliehen in Panik auf die Strasse. Es kommt zu mehreren starken Nachbeben. Erdrutsche blockieren Strassen, Wohnhäuser. Das Handynetz bricht zusammen – wegen des grossen Ansturms besorgter Anrufer.

Die Opferzahlen steigen stündlich. Fast schon 10000 Tote wurden gezählt.

Das Epizentrum liegt zehn Kilometer unter der Erde, in der dicht besiedelten Provinz Sichuan.
Der Erdstoss ist noch im 1500 Kilometer entfernten Peking zu spüren. Dort werden Bürogebäude evakuiert. Betroffen sind auch Gebäude des Organisationsteams der Olympischen Spiele. «Das ist das stärkste Erdbeben, das ich je gespürt habe», sagt Wirtschaftsberater James McGregor. Auch in Hongkong und Schanghai wanken die Wolkenkratzer. Selbst in Taiwan und Vietnam bebt die Erde noch.

Das chinesische Militär schickt mehrere Helis in die abgeschnittene Katastrophenregion. 5000 Soldaten werden für Rettungseinsätze abkommandiert. Teams mit Suchhunden fliegen nach Sichuan.

Regierungschef Wen Jiabao reist ins Erdbebengebiet. Das Ausland hat Hilfe angeboten.

Zahl der Todesopfer steigt weiter an

Beim schweren Erdbeben im Südwesten Chinas sind nach offiziellen Angaben allein in der am schwersten betroffenen Provinz Sichuan fast 10000 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag unter Berufung auf die Behörden.
Laut dem Fernsehen von Sichuan könnten im Bezirk Beichuan Qiang, wo 80 Prozent der Gebäude zerstört worden sein sollen, fast 7000 Menschen getötet worden sein. Über die drei dem Epizentrum des Bebens am nächsten gelegenen Ortschaften in der Region Wenchuan, in denen rund 24000 Menschen leben, gab es laut Xinhua noch keine Nachrichten.
Ministerpräsident Wen Jiabao rief in der Stadt Dujiangyan, wo rund 900 Kinder und Jugendliche unter einer eingestürzten Schule begraben wurden, zu äussersten Anstrengungen bei den Rettungsarbeiten auf. Keine Minute dürfe verschwendet werden.
Am Dienstag wurden in Sichuan Unwetter erwartet, die die Rettungsarbeiten zusätzlich behindern könnten.
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