«10vor10» ist es gelungen, zum ersten Mal Einblick in die interne Datenbank der US-Gesundheitsbehörde FDA zu erhalten. Es ging die Produkte der Weltmarkt-Leader. Das sind die Antibaby-Pillen von Bayer, und Yaz, sowie das Verhütungspflaster Evra von Janssen Cilag und der Nuvaring von Essex
Chemie.
Die umsatzstärksten Produkte erscheinen in der Datenbank auch am häufigsten mit gesundheitlichen Folgeschäden – und am häufigsten mit Todesfällen.
Die Todesfälle in gerundeten Zahlen:
- Yasmin 140 Tote
- Yaz 50 Tote
- Nuvaring 40 Tote
- Evra 130 Tote.
Die Leiterin Marktüberwachung bei der
Swissmedic, Karoline Mathys, bestätigt gegenüber «10vor10» die Anzahl der weltweiten Todesfälle: «Wenn man die internationalen Sicherheitsdaten anschaut, dann entspricht es dieser Grössenordnung.»
Basler Chefarzt «ergriffen und überrascht» Der Basler Chefarzt und Präsident der Swissmedic-Begleitkommission für die Zulassung von Medikamenten, Stephan Krähenbühl, zeigte sich gegenüber «10vor10» über die hohe Anzahl der Todesfälle überrascht: «Es ist für mich emotional ergreifend und sehr tragisch». Der Berner Frauenarzt Daniel Brügger, der seit Jahren vor den neueren hormonellen Verhütungsmitteln warnt, sagte gegenüber «10vor10»: «Ich bin schockiert. Man hätte die Todeszahlen besser kommunizieren sollen.»
Warum schwieg Swissmedic?Karoline Mathys von Swissmedic sagte dazu gegenüber «10vor10»: «Wenn man bei allen Arzneimitteln – und es gibt viele – irgendwelche Spontanmeldungen auswertete und Zahlen herausgäbe, würde man eine Verunsicherung auslösen – mit Zahlen, die so nicht verlässlich sind.» Um die Häufigkeit eines Risikos festzustellen, brauche es Studien.
Pharmaunternehmen wiegeln ab Die Phamaunternehmen Bayer, Janssen Cilag und Essex Chemie wollten zu den konkreten Zahlen der Todesfälle keine Stellung nehmen. Sie betonten aber, die Reports seien Spontanmeldungen und als solche nicht immer vollständig, weil Informationen über gleichzeitig eingenommene Medikamente sowie Angaben über Vorerkrankungen und Veranlagungen häufig fehlen würden.
Das Resultat der FDA-Studie dürfte aber auch Anwaltskanzleien in den USA interessieren. Bayer sieht sich wegen Nebenwirkungen ihrer Verhütungsmittel Yasmin und Yaz laut eigenen Angaben allein in den USA mit 1750 Klagen konfrontiert, in Kanada mit acht Sammelklagen. (snx)