MOSKAU - Bei einem Meteoritenregen in Zentralrussland sind heute 1200 Menschen verletzt worden. Gesteinsbrocken fielen wie Feuerbälle auf die Erde. Die Druckwelle liess Fensterscheiben bersten.
Um 9.30 Uhr lässt ein gewaltiger Knall in der Region Tscheljabinsk die Erde erzittern. Ein Meteoritenhagel geht auf die Erde nieder! Die gewaltige Druckwelle bläst bei vielen Gebäuden die Fensterscheiben weg, zerstört Dächer – 1200 Menschen werden beim Angriff aus dem All verletzt.
Der Meteoritenhagel beschädigt gegen 3000 Gebäude. Darunter sind über 350 Schulen und Kindergärten sowie über 30 Spitäler. Die meisten Verletzten werden durch umherfliegendes Glas getroffen. Die Spitäler in der Region sind überfüllt, viele lassen ihre Schnittwunden behandeln.
Laut dem russischen Katastrophenschutzministerium stürzten Gesteinsfragmente in kaum bewohnte Gegenden in der Region von Tscheljabinsk. Insgesamt seien in mindestens sechs Städten in der Region am Ural rund 1500 Kilometer östlich von Moskau Schäden an Gebäuden festgestellt worden, hiess es.
Auf Amateurvideos im Internet sind weissglühende Meteoriten zu sehen, die in niedriger Höhe vorbeiflogen. Medienberichten zufolge war der Meteoritenregen auch in Kasachstan zu sehen. Der Meteorit selbst sei in den See Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk gefallen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Sechs Meter breit ist der Krater im zugefrorenen See, der von Einsatzkräften abgeriegelt wird.
«Ich habe einen Feuerball gesehen. Über der Stadt stehen schwarze Wolken. Die Leute dachten, der Krieg hat begonnen», zitiert «Russland aktuell» einen Augenzeugen. «So etwas haben wir in unserem Leben noch nicht erlebt. Wir hatten das Gefühl, als wäre etwas sehr Grosses in den Nachbarhof gefallen», werden Schüler von «lifenews.ru» zitiert.
Zur Überwachung der Lage in der Region stellte das Katastrophenschutzamt 20'000 Einsatzkräfte sowie Flugzeuge und Helikopter zur Verfügung. Das Verteidigungsministerium entsandte Soldaten zu den «Einschlagsstellen» der Gesteinsfragmente.
Wegen des Ausmasses der Schäden sollten Betriebe und Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit zum Helfen nach Hause schicken, hiess es in einer Mitteilung der Verwaltung. Die Stadtverwaltung von Tscheljabinsk rief die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben. Behörden ordneten zudem die Schliessung aller Schulen der Region an, weil in zahlreichen Gebäuden die Fensterscheiben zerbrochen waren und die Temperaturen in Zentralrussland bei minus 18 Grad liegen.
Nach Experteneinschätzung raste der Meteorit mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein. Der russische Astronom Sergej Smirnow schätzte, der Meteorit sei vor dem teilweisen Verglühen vermutlich mehrere Tonnen schwer gewesen.
Einzelne Splitter hätten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen können. Der Einschlag des Meteoriten hat laut Experten nichts mit dem Asteroiden 2012 DA14 zu tun, der am Freitagabend knapp an der Erde vorbeirasen sollte. «Das ist etwas völlig anderes», sagte ein Sprecher der europäischen Weltraumagentur ESA am Freitagmorgen auf Anfrage. «Flugbahn und Ort des Anschlages sprechen dagegen.»
Viele Autofahrer nehmen mit den Kameras, die sie in ihren Fahrzeugen installiert haben, den Schweif des tonnenschweren Meteoriten am Himmel auf. Ein strahlender Feuerball ist zu sehen, Rauchwolken erscheinen am Himmel. Doch warum haben so viele Russen Kameras in ihren Autos installiert?
Ganz einfach: Damit sichern sie sich etwa gegen die Willkür korrupter Verkehrspolizisten ab - wenn diese zum Beispiel behaupten, die Kraftfahrer seien bei Rot über eine Ampel gefahren. Oder bei Verkehrsunfällen dokumentieren die Aufnahmen oft, wer der echte Schuldige ist. Oder sie sichern sich gegen Versicherungsbetrug ab. (woz/num/SDA)
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