Blutige Attacke auf Berlusconi Hier schlägt der Irre mit dem «Dom» zu

  • Aktualisiert am 19.01.2012

MAILAND (I) – Der psychisch gestörte Massimo Tartaglia (42) hat gestern Abend Italiens Ministerpräsident mit einer Nachbildung des Mailänder Doms beworfen. Silvio Berlusconi (73) musste blutend ins Spital eingeliefert werden.

Der 42-jährige Massimo Tartaglia, offenbar geistig verwirrt, attackierte den italienischen Premier Silvio Berlusconi (73) gestern nach einer Rede auf dem Mailänder Domplatz vor dem Einsteigen ins Auto. Der Mailänder bewarf Berlusconi mit einer Souvenir-Nachbildung des Mailänder Doms mit Metallsockel.

Berlusconi sackte zusammen und wurde von seinen Leibwächtern umgehend in ein Auto verfrachtet und ins Spital gebracht. Fernsehbilder zeigten den Regierungschef mit geschwollenem Gesicht und blutverschmiertem Mund.

Gebrochene Nase, Zähne weg

Der Premier erlitt bei der blutigen Attacke einen Nasenbeinbruch, die Unterlippe wurde verletzt, zwei Zähne wurden abgebrochen. Er musste die Nacht in der Mailänder San-Raffaele-Klinik verbringen und kann das Spital nicht vor Dienstag verlassen.

Berlusconis persönlicher Arzt versicherte jedoch, dass sich der Premierminister keiner Operation unterziehen muss. «Berlusconi hat niemals das Bewusstsein verloren. Vom psychologischen Standpunkt ist er durch den Besuch von Freunden und Angehörigen aufgeheitert worden. Er selber hat seine Kinder beruhigt, die sehr besorgt waren. Jetzt ist er ruhig, aber wegen des Vorkommnisses sehr verbittert», berichtete der Arzt.

Vor der Klinik wurde heute ein Plakat mit ermutigenden Worten für den Regierungschef aufgestellt. «Berlusconi wünschen wir eine baldige Genesung. Die wahren Italiener sind für immer mit Dir!», ist auf dem Plakat zu lesen. Viele Polizisten bewachen die Klinik.

Anklage wegen schwerer Körperverletzung

Der Täter wurde sofort festgenommen und identifiziert. Massimo Tartaglia, 42 Jahre alt, der laut «Corriere della Sera » als Grafiker in der Firma seines Vaters arbeitet. Laut «Ansa» wurde er seit zehn Jahren wegen psychischer Probleme behandelt. In der Tasche von Tartaglia fanden die Polizisten auch ein Kruzifix sowie einen Pfefferspray.

Der Mailänder war nach Behördenangaben bisher lediglich durch Verkehrsvergehen aufgefallen. Er werde verhört, erklärte die Polizei. Zum Motiv der Tat lagen zunächst keine Informationen vor.

Der Angreifer wurde bereits offiziell wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung beschuldigt. Die Klage wurde von dem für Terrorismus zuständigen Mailänder Staatsanwalt Armando Spataro erhoben.

Solidarität aus allen Parteien

Staatspräsident Giorgio Napolitano verurteilte den Angriff und sprach Berlusconi seine volle Solidarität aus. Die mit Berlusconi verbündete Lega Nord sprach von einem «faschistischen Klima». Auch der Chef der oppositionellen Demokratischen Partei, Pier Luigi Bersani, bezeichnete den Angriff als «unglaublich».

Der in seiner Politik und in seinem Auftreten heftig umstrittene Berlusconi war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seines rechten Lagers für die Regionalwahlen im März anzuführen. Er hatte eine Rede vor Tausenden Anhängern seiner Partei Pdl (Volk der Freiheit) gehalten und der politischen Linken «Hass und Missgunst» vorgeworfen. Zudem kritisierte er erneut die Richter als «politisiert».

Als «Clown» beschimpft

Zu Beginn der Veranstaltung war Berlusconi von rund einem Dutzend Menschen ausgebuht und ausgepfiffen sowie als «Clown» beschimpft worden. Der Regierungschef rief ihnen daraufhin mehrfach laut zu, sie sollten sich schämen. Daraufhin gerieten die Demonstranten und Ordnungskräfte der Veranstaltung aneinander, woraufhin die Polizei eingriff.

Berlusconi war bereits am Silvesterabend 2004 in Rom leicht verletzt worden. Ein 28-jähriger Maurer aus der norditalienischen Stadt Mantua hatte mit einem Stativ nach ihm geworfen und ihn am Kopf verletzt, als er auf der Piazza Navona spazieren ging. Er wurde zu vier Monaten Haft verurteilt. (SDA/noo/spj)

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