Kachelmann Hat Staatsanwalt vorschnell gehandelt?

  • Publiziert: 07.06.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
play Jörg Kachelmann lächelnd nach seiner Vernehmung beim Haftrichter im März: Er wollte sich den Medien zeigen. (Reuters)

MANNHEIM – Brisante Neuentwicklung im Fall Kachelmann: Die Anklage ist offenbar so hastig erhoben worden, dass sich Fragen zum Prozess stellen. Kommt Kachelmann jetzt raus?

Ins Visier kommt jetzt Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge. Ihm werden zwei schwere Fehler vorgeworfen, wie Recherchen des «SPIEGEL» ergeben haben:

Erstens hat der Staatsanwalt erst am 15. April ein eigenes Gutachten zur Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers bestellt. Zu diesem Zeitpunkt sass Kachelmann aber schon seit über drei Wochen in Untersuchungshaft.

Zweitens ─ und dies ist gemäss «SPIEGEL» viel schlimmer ─ wartete Staatsanwalt Oltrogge das Ergebnis des Gutachtens nicht ab. Und erhob bereits am 17. Mai Anklage. Seither steht Kachelmann in der Öffentlichkeit als angeklagter Vergewaltiger da.

Hinzu kommt aber noch dies: Die Gutachterin, die Psychologin Luise Greuel, kommt gemäss «SPIEGEL» zum Schluss: Die Schilderung der Vergewaltigung erfüllt nicht die Mindestanforderung an die logische Abfolge. Und die Details seien zu wenig konkret. Das mutmassliche Opfer habe Handlungen erwähnt, die «unwahrscheinlich bis unmöglich» auszuführen gewesen seien!

Jetzt stellt sich die Frage nach dem weiteren Prozessverlauf. Trotzdem muss sich der populäre Wettermann mindestens bis gedulden, bis das Gericht in Mannheim über eine mögliche Haftentlassung entscheidet. (snx)

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