Prügel-Schüler «Halbes Volk schämt sich für missratene Burschen»

  • Aktualisiert am 14.01.2012

MÜNCHEN – München redet über den Prozess gegen die Schweizer. Dabei müssen sogar die «antideutsche Stimmung» in der Schweiz und der Steuerstreit als Grund für die sinnlose Gewalt der drei Teenager herhalten.

Die Münchner «Tageszeitung» (TZ) schrieb gestern einen Bericht zum Prozess gegen die drei Schweizer Prügelschüler Mike, Benji und Ivan. Der Titel des Artikels: «Die Schweizer schämen sich für die Taten». Dabei sind nicht die Schüler aus Küsnacht gemeint, sondern das Schweizer Volk.

Der Text löst im Onlineforum der TZ eine rege Diskussion rund um den Prozess gegen die drei Schweizer aus. Einige Leser wollen sogar eine Antwort darauf gefunden haben, wieso die Schweizer Schüler ihren Schläger-Amok durch München veranstaltet hatten. Wegen der «deutschfeindlichen Stimmung in der Schweiz» nämlich!

«Himmel, ein halbes Volk schämt sich für die missratenen Burschen», schreibt ein Leser zum TZ-Artikel. Daraufhin Leser «Bayer»: «Die dürfen sich schämen, wofür sie wollen und sollten erstmal bei der antideutschen Stimmung in der Schweiz anfangen, die könnte die Täter sogar noch motiviert haben.»

«Auf Schweizer Staatskosten inhaftieren»

Statt sich für die drei Schläger zu schämen, sollen die Schweizer «gefälligst ihre ‹Landsleute› zurücknehmen und auf Schweizer Staatskosten inhaftieren», findet «Bayer» weiter.

Er steht mit dieser Meinung nicht allein da. «Erst unlängst zeigte man im TV deutsche Arbeiter in der Schweiz, wie sie als Deutsche gemobbt wurden und zwar auch noch mit gewissen Schimpfwörten», lautet der Beitrag von Leser «Brr».

«Vielleicht haben diese Jugendlichen auch so ‹deutschfreundliche› Eltern und es hat sich hier nur die ‹Freundlichkeit› des Umfeldes bei den Dreien im Suff gezeigt. Zum Geld abliefern sind wir ja überall beliebt, aber sonst wollen uns die wenigsten.»

«Scheinheiliges Volk»

Aber nicht nur die «deutschfeindliche Stimmung» in der Schweiz wird an den Pranger gestellt.

Die TZ-Leser stellen selbst den Schweizerisch-Deutschen Steuerstreit und das Schweizer Bankgeheimnis in Zusammenhang mit dem Prozess gegen die drei Schweizer: «Ich frag mich, ob sich die Schweizer auch genauso für die Landsleute schämen, die deutschen Steuerhinterziehern ein Schlupfloch bieten. Glaube aber, da ists dann mit dem Fremdschämen nicht ganz so weit her, oder lieber Schweizer...?», schreibt «Bolanz 73».

Selbst Wilhelm Tell kriegt sein Fett weg. Schreibt «E36Fan»: «Aber einen Heckenschützen, Attentäter und hinterhältigen Mörder verehren sie als Volkshelden: ‹..Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein anderer Weg nach Küssnacht. Der Holunderstrauch birgt mich seinem Blick. Wahrlich hier vollend ichs. Mach deine Rechnung mit dem Himmel Vogt....›. Scheinheiliges Volk!» (gux)

Die Prügelschüler aus Küsnacht sorgen auch in München für rote Köpfe.- zvg

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