Hacker-Kollektiv gesteht Attacke auf WhatsApp & Co. «Es war bloss eine Machtdemonstration!»

Kein Twitter, kein Netflix, kein WhatsApp. Cyberangriffe haben gestern Abend zahlreiche beliebte Web-Dienste ausser Gefecht gesetzt. Nun hat sich die Hackergruppe «New World Hackers» bekannt – und ihre Motive offenbart.

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Schwere Cyberangriffe haben am Freitag zahlreiche bekannte Websites und Internetdienste wie Twitter, Paypal, Netflix oder Spotify lahmgelegt. Nutzer hatten teilweise über Stunden hinweg Mühe, auf ihre Lieblingsseiten zuzugreifen. Auch WhatsApp war betroffen.

Das Ausmass und der Ursprung der Behinderungen waren zunächst unklar. Nun aber kommt langsam Licht ins Dunkel: Laut der Nachrichtenagentur AP haben Mitglieder des Kollektivs «New World Hackers» via Twitter die Verantwortung für die Attacke übernommen.

«Es ist für die gute Sache»

Die US-Hackergruppe «New World Hackers» (@NewWorldHacking auf Twitter) sorgte weltweit für Aufsehen, als sie im vergangenen September ESPN und keine zwei Monate später BBC lahmlegte. Diese Attacken waren jedoch bei weitem nicht so breit angelegt wie diejenige von gestern. Der Pro-Anonymous-Blog «AnonIntelGroup» hat mit dem Hackerkollektiv über die Motive für den jüngsten Angriff gesprochen. Hier ein Auszug:

Im letzten Jahr habt ihr BBC lahmgelegt. Wieso habt ihr euch entschieden, diesmal gegen Twitter & Co. vorzugehen?
«Wir führen jedes Jahr eine solche Machtdemonstration durch. Diesmal gilt sie Russland. Seine Macht zu testen ist der Schlüssel. Nur so können wir sehen, wie weit jede Attacke reicht...»

Was hat euch dazu motiviert?
«Es ist für die gute Sache... Russen behaupten, besser als die Amerikaner zu sein. Sie wollen einen Krieg starten. Wir zeigen ihnen, was Krieg ist.»

Macht ihr euch Sorgen wegen der ganzen Aufmerksamkeit, die ihr nun erhaltet?
«Natürlich machen wir uns wegen der Aufmerksamkeit Sorgen, wir wollen keine Bundesagenten auf unseren Fersen. Deshalb sind wir auch in Russland.»

Wieso glaubt ihr, dass Russland auf eine derartige Attacke reagieren wird?
«Die Russen sollten antworten, aber sch**** auf die. Unsere Botschaft für die Welt ist: bleibt gebildet.»

«Es ging nicht darum, Bundesagenten aufzuhetzen, es war nur eine Machtdemonstration», sagten zwei Gruppenmitglieder, die sich als «Prophet» und «Zain» ausgaben, AP per Nachrichtenaustausch bei Twitter. Mehr als zehn Mitglieder von New World Hackers hätten sich an der Attacke beteiligt. Das Bekenntnis liess sich bisher nicht von unabhängiger Seite bestätigten.

Kameras und Thermostate missbraucht

Bei dem Angriff handelte sich um sogenannte Denial-of-Service-Angriffe (DDOS), bei denen Webseiten mit sinnlosen Anfragen überflutet werden, bis sie in die Knie gehen. Er sei von Dutzenden Millionen IP-Adressen ausgegangen, erklärte der betroffene Web-Dienstleister Dyn.

Dafür seien auch vernetzte Haushaltstechnik wie Kameras, digitale Videorekorder oder sogar Thermostate missbraucht worden. Kyle York, Chefstratege von Dyn, sprach von einer «listigen Attacke».

Ebenfalls nicht erreichbar waren zeitweise die Websites der «New York Times», des Wohnungsvermittlers AirBnB und der Online-Community Reddit. Die Attacken richteten sich unter anderem gegen die sogenannte DNS-Infrastruktur, die dafür sorgt, dass Websites über das Eintippen von Webadressen zu erreichen sind. Dafür werden die Namen mit hinterlegten IP-Adressen in Zahlenform abgeglichen.

Hacker-Kollektiv gesteht Angriff auf Twitter, Netflix & WhatsApp play
Konzertierte Angriffe: US-Webdienste waren das Ziel der «New World Hackers».

«Internet-Vandalismus»

Die Angriffe begannen am Freitag gegen Mittag europäischer Zeit, die dritte Welle reichte zum Teil bis in den Samstag hinein. Der Sender CNBC zitierte einen Vertreter der Sicherheitsbehörden mit der Vermutung, es handle sich um «Internet-Vandalismus». Das Weisse Haus sprach von bösartigen Attacken. Das Heimatschutzministerium habe Ermittlungen aufgenommen.

DDOS-Attacken kommen immer wieder vor. Zuletzt wurde die Schad-Software «Mirai» bekannt, mit der auch vernetzte Haustechnik für solche Angriffe zusammengeschaltet werden kann. Bereits im September wurde auf diese Weise mit einer aussergewöhnlich massiven Attacke die Website des IT-Sicherheitsjournalisten Brian Krebs angegriffen. (gr/SDA)

Publiziert am 22.10.2016 | Aktualisiert am 24.10.2016
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6 Kommentare
  • jens  libmann 22.10.2016
    DDoS-Attacken – Die Abwehr von DDoS-Angriffen gehört zum Standardrepertoire in der IT-Security. Mittlerweile existiert jede Menge Literatur, die grundsätzliche Maßnahmen beschreibt, etwa hier das Neueste von Jens Libmann: bit.ly/1tkDYv2
    Demnach lässt sich bereits mit 20 Prozent Einsatz 80 Prozent Sicherheit erzielen. Außerdem gibts auch darin Controlling, damit lässt sich die Wertschöpfung beziffern.
  • Victor  Fletcher aus Meilen
    22.10.2016
    Und auch solches wird die Swisscom nicht daran hindern die sichere Analogtelefonie der Internettelefonie vor die Füsse zu schmeissen! Firmen welche gänzlich auf das Internet setzen haben keine Zukunft, denn viel zu unsicher ist das Netz und dies wird sich so schnell auch nicht ändern. Mir käme es jedenfalls nicht in den Sinn zu 100 prozent auf das Internet zu vertrauen. Allerhöchstens zu 50 prozent...
  • Hanspeter  Elmer aus Glarus
    22.10.2016
    DDoS-Attacken haben nichts mit hacken zu tun. Das Prinzip basiert darauf, dass Server durch Anfragen so überlastet werden, das nichts mehr geht. Hacker hingegen dringen in System ein, was wesentlich schwieriger ist. Die Typen hier wollten nur Aufmerksamkeit. Das sind nur kleine, pubertäre Jungs, die keine Freundin haben und sich wichtig machen. Ich hoffe sie werden geschnappt und müssen für den Schaden aufkommen. Spätestens dann fängt bei ihnen die Heulerei an und sie winseln wie Hunde.
  • Thomas  Zürcher 22.10.2016
    Im Internet tobt ein unsichtbarer Kampf – jeden Tag versuchen Cyberkriminelle Webseiten durch das Überfluten mit Anfragen lahmzulegen. Oft geht es bei diesen Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS) um Erpressung.Diese Hackerangriffe zeigen wieder einmal wie anfällig und praktisch schutzlos solch große Computernetze für Attacken von Spezialisten sind.Die wirtschaftlichen Schäden werden immer grösser und gehen in die Milliarden.Cybercrime ist leider der Preis des Fortschritts!
  • Norman  Freeman 22.10.2016
    Und was bitteschön haben die DDOS mit Hacking zu tun? Jeder, aber auch wirklich jeder kann DDOS selber starten. Hierfür braucht man nur was im Netz runterladen und schon gehts los! Von wegen Hacker lol
    • marco  montana 22.10.2016
      So ein Schwachsinn. Als ob jeder mal kurz die Kontrolle über ein botnetz mit 100k Geräten übernehmen könnte. Und solche Mengen braucht es wenn man Ziele wie Twitter oder netflix angreifen will.