Hacker erklären Scientology den Krieg

  • Publiziert: 24.01.2008, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

LOS ANGELES – Professionelle Computerhacker haben die Nase voll von Scientology. Ihr Ziel: «Die Zerstörung» der Organisation. Der Krieg hat begonnen!

Ein seltsames Video sorgt auf YouTube für Furore. Es stammt von einem User Namens «Church0fScientology». Zu unheimlichen Bildern und psychedelischer Musik spricht eine Computerstimme eine unmissverständliche Botschaft an die selbsternannte «Kirche»:

«Hallo, Scientology, wir sind Anonym. Wir beobachten euch schon seit Jahren. Eure Kampagnen der Falschinformation, der Unterdrückung von Andersdenkenden – all diese Dinge sind uns aufgefallen. Mit dem öffentlich werden eures jüngsten Propagandavideos in den Mainstream [Das 38-minütige Tom-Cruise-Video, d.Red.], wurde uns der bösartige Einfluss auf die, die euch vertrauen, die euch Führer nennen, deutlich. Anonym hat deshalb beschlossen, dass eure Organisation zerstört werden muss.»
… Wissen ist frei. Wir sind Anonym. Wir sind Legion. Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns.»


Das Video wurde schon von über 300000 Usern angeschaut – die meisten sind ratlos, was das Ganze soll. Scientology, von vielen Experten als gefährliche Sekte eingestuft, lässt derweil bissige Kommentare durch seine Anwälte löschen.

Doch was ist dran an der Kriegserklärung? BLICK weiss: Es handelt sich nicht nur um eine leere Drohung. Die Hackergruppe «Anonymous» gibt es wirklich – sie sorgte in vergangenen Jahren mit eher harmlosen Angriffen auf Myspace-Accounts (rund 70000 gehackte Passworte, Telefonterror bei Privatpersonen) und anderen Hacks bei Online-Communitys in den USA für Schlagzeilen.

Und tatsächlich: Auf der Seite von «Anonymous» rufen die Hacker offen den totalen Krieg aus (sie nennen es «Project Chanology») – mit detaillierten Anleitungen zum Angriff auf die Seiten von Scientology. Damit nicht genug: Die Seite gibt auch Auskunft, wie man die Zentren der Organisation mit gezielten, anonymen Scherz-Telefonaten lahmlegt – und die Faxgeräte ebenfalls.

Einen ersten Erfolg konnten «Anonymous» und ihre zahlreichen anonymen Helfer rund um den Globus bereits verbuchen: Am 19. Januar legte eine so genannte «Denial of Service»-Attacke die Website von scientology.org über das Wochenende lahm, wie diverse Onlinedienste, darunter auch der Tech-Blog von USA-Today – und natürlich auch die stolzen Hacker – berichten.

Scientology wird die Aktionen kaum auf die leichte Schulter nehmen. Die Organisation ist bekannt für ihren kompromisslosen Umgang mit ihren Gegnern. Tom Cruise sagt es in der langen Version des Videos gleich selbst, wie Scientology mit Kritikern umgehen will: «Eines Tages werden wir über sie in den Geschichtsbüchern lesen». Dann bricht er in lautes Gelächter aus.

play Scientology – und mit der Sekte auch ihr prominenter Vertreter Tom Cruise – sind im Visier von Hackern. (Foto: Reuters/Montage: Blick.ch)

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