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Was ist heute los in Tibet?
In Peking stehen die olympischen Spiele an. Die Weltöffentlichkeit blickt nach China, und die Tibeter nutzen die Chance für einen Protest. Er wird blutig niedergeschlagen – nicht zum ersten Mal.
Was ist Tibet eigentlich: ein Land oder eine Provinz?
Das alte Tibet ist heute zerstückelt: Am grössten ist das sogenannte Autonome Gebiet Tibet im Südwesten von China. Die nördlichen und östlichen Gebiete sind Teil der angrenzenden chinesischen Provinzen. Selbständig sind sie alle nicht mehr – sondern regiert von China.
Was will China denn von Tibet?
China betrachtet das Hochland nördlich des Himalaya seit dem Mittelalter als Hinterhof. Bis ins 10. Jahrhundert war Tibet selbst ein mächtiges Reich. Regiert vom Adel und von buddhistischen Klöstern. 1240 wurde es vom mongolisch-chinesischen Gross-Khan erobert.
Seither bestimmten die Mongolen und Chinesen auf dem «Dach der Welt». Aufstände gegen die Chinesen haben Tradition: 1750 zum Beispiel töteten die Tibeter den chinesischen Statthalter. Doch sein Nachfolger kam nur mit einer noch grösseren Besatzungsarmee.
Seit Jahrhunderten ein Hin und Her zwischen Tibet und China?
Nicht nur. Richtig kompliziert wurde es, als sich die Europäer einmischten. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts fürchteten die Briten, Russland wolle die Fühler nach Tibet ausstrecken. Sie boten den Tibetern ihre Hilfe an, die lehnten ab – also kamen die Briten einfach ungefragt und besetzten das Land selber.
Die Briten gingen, die Chinesen kamen zurück, die Tibeter warfen sie wieder hinaus. Und dann siegten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 die Kommunisten. Deren Führer Mao Tse Tung kündigte sofort an: Tibet wird vom «britischen imperialistischen Joch» befreit.
Bis 1951 schickte er eine Armee nach Lhasa, die so gross war wie die ganze Stadtbevölkerung.
Dann kamen die Chinesen also als Befreier?
Sie taten so. Tatsächlich waren bei ihrem Einmarsch zwei Drittel von Tibets Bevölkerung Bauern – abhängig von den Klöstern. Die Mönche waren Lehrer, Beamte, Grundbesitzer und Herrscher.
Dieses Feudalsystem wollte Mao brechen – mit Terror.
Die Chinesen zwangen den Tibetern kommunistische Landwirtschafts-Kolchosen auf. Die traditionellen Nomaden mussten sesshaft werden, wehrten sich – und wurden blutig niedergeschlagen.
Doch Mao wollte den «abergläubischen» Tibetern auch die Religion austreiben. Mönche und Nonnen wurden gefoltert und getötet. Bis 1959 kamen Zehntausende Tibeter um.
Also hatten die Mönche nie eine Chance in Tibet?
Nein – nicht militärisch. Der Kampf um Tibet ist ein PR-Krieg.
Er begann 1959. Damals musste der 14. Dalai Lama nach Indien fliehen, auf einem Esel über den Himalaya. Dort begann er eine Tour durch Hauptstädte und Talk-Shows, die bis heute dauert.
Hat der Dalai Lama Erfolg?
Er hat immerhin viele Fans. Aber noch stellt kein Land offiziell Chinas Herrschaft über Tibet in Frage – nur die Gewalt gegenüber protestierenden Tibetern wird kritisiert.
Der Dalai Lama wünscht sich eine Umwandlung Tibets in eine «Zone der Gewaltlosigkeit» – und dann Verhandlungen mit China. Dieses Ziel ist heute weiter von der Realität entfernt denn je.
Mit der Wirtschaftsmacht China will es sich keiner verderben.