
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Inzwischen werden im Missbrauchs-Skandal auch zwei Frauen beschuldigt. Insgesamt gibt es bei den Jesuiten bis zu zwölf mutmassliche Missbrauchstäter, sagte Anwältin Ursula Raue heute.
Landesweit hätten sich bislang 115 bis 120 Missbrauchsopfer gemeldet, unter ihnen seien auch frühere Schülerinnen. Ausserdem haben sich Opfer gemeldet, die nicht an Jesuiten-Schulen waren. Darunter sei auch jemand von einer evangelischen Einrichtung.
Sie habe Berichte über Opfer, die sich das Leben genommen hätten, sagte die Anwältin. Bei anderen brächen nun verborgene Verletzungen wieder auf. «Es gibt Verfehlungen und Wunden, die heilen offenbar nicht.» Manche Männer offenbarten sich zum ersten Mal.
Jesuiten reagieren mit Scham
Die Jesuiten reagierten mit Erschrecken und Scham auf Raues Zwischenbericht. Der Ordensprovinzial der Jesuiten, Stefan Dartmann, teilte in München mit: «Das Ausmass dieser Übergriffe, in denen sich sexuelle und sadistische Motive mischen, ist für den Orden erschreckend und beschämend.» Er nannte es «eine Schande», dass der Orden in seinen Personalakten kein Wort darüber verlor, welche Schäden die Taten bei den Schülern anrichteten.
Bischofskonferenz schweigt
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hält sich weiter bedeckt. Er wolle sich zu dem Thema am Montag in Freiburg zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe äussern, sagte eine Sprecherin.
Auch an einer Schule der katholischen Pallottiner-Gemeinschaft in Rheinbach bei Bonn ist es früher zu Missbrauchsfällen gekommen. Nach Angaben der Pallottiner handelt sich um drei bekannte Fälle mit Jugendlichen aus den 1960er Jahren im früheren Konvikt St. Albert. Der betroffene Pater sei damals suspendiert worden.
«Der Papst weint Krokodilstränen»
Die Theologin Uta Ranke-Heinemann warf den Kirchenoberen vor, dem Volk eine Komödie vorzuspielen. Dass der Papst sexuellen Missbrauch als abscheuliches Verbrechen und eine Sünde gegen Gott bezeichnet, stufte Ranke-Heinemann auf «Focus online» angesichts der kirchlichen Praxis als unglaubwürdig ein: «Der Papst weint hier Krokodilstränen statt den Betroffenen zu helfen.» (SDA)
play
Das Canisius-Kolleg ist wegen Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten. (AP)