KABUL (Afghanistan) – «Das ist die grösste Sünde»: So hat ein islamischer Geistlicher in Afghanistan den christlichen Konvertiten Abdul Rahman heute gebrandmarkt. Es geht um Leben und Tod.«Gottes Weg ist der richtige Weg, und dieser Mann ist ein Glaubensabtrünniger», sagte Abdul Raulf vor etwa 150 Gläubigen. Sein Verbrechen: Übertritt zum Christentum. Und dafür soll er mit seinem Leben bezahlen.Diese Affäre wühlt die Afghanen auf. Und Präsident Karsai ist im Sandwich zwischen den Traditionalisten im eigenen Land und dem Westen. Ohne dessen Geld und Soldaten kann er derzeit das Land nicht regieren. Die
EU und die USA hatten die extremistischen Muslime kritisiert. US-Aussenministerin Condoleezza Rice hatte an die afghanische
Regierung appelliert, das Leben Rahmans zu retten. Jetzt verurteilt auch der australische Ministerpräsident John Howard den Prozess gegen Rahman: «Das ist entsetzlich. Als ich den Bericht darüber gesehen habe, wurde mir buchstäblich schlecht.» Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte ein Machtwort der afghanischen Regierung. «Afghanistan hat die UN-Menschenrechtskonvention unterschrieben. Darin ist die Religionsfreiheit garantiert. Und die gilt für alle.», Der 41-Jährige, der viele Jahre in Deutschland lebte, war vor 16 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Im Februar wurde er festgenommen, nachdem ihm seine Familie den Glaubenswechsel zum Vorwurf gemacht hatte.