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Max Göldi müsse sich bis 11 Uhr stellen, liess Libyen heute Morgen verlauten. Kurz darauf erklärte der zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilte Max Göldi, er werde ins Gefängnis gehen.
Göldi werde vor Ablauf des Ultimatums die Schweizer Botschaft verlassen und sich der Polizei stellen, sagte sein Anwalt Salah Zahaf heute. Göldi werde ins Gefängnis Aïn Zara in der Nähe von Tripolis gebracht.
Dort dürfe er jederzeit Besuch empfangen, sagte Zahaf. Ihm werde im Gefängnis ein Übersetzer zur Seite gestellt. Auch medizinische Betreuung sei sichergestellt. Göldi und sein Anwalt wollen nach der Inhaftierung ein Begnadigungsgesuch einreichen.
Libyen stellte Ultimatum
Libyen hatte zuvor von der Schweiz gefordert, dass sie Max Göldi bis 11 Uhr an die Behörden ausliefert. Das libysche Aussenministerium habe die Botschafter der EU gestern Abend in Tripolis über das Ultimatum informiert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Jana.
Werde der verurteilte Schweizer nicht an die Behörden übergeben, werde Libyen Massnahmen ergreifen. Was diese Massnahmen umfassen könnten, wurde nicht präzisiert.
Der libysche Aussenminister Moussa Koussa beschuldigte die Schweiz laut der Nachrichtenagentur Reuters, sie verletzte internationale Konventionen über die diplomatische Immunität, indem sie Göldi in der Schweizer Botschaft in Tripolis Schutz gewähre.
Rachid Hamdani darf ausreisen
Seit der vorübergehenden Festnahme von Hannibal Gaddafi in Genf im Sommer 2008, hindert Libyen die zwei Schweizer Göldi und Rachid Hamdani an der Ausreise aus dem Land. Göldi, der für den Energie- und Automationstechnikkonzern ABB in Libyen tätig war, wurde wegen illegalen Aufenthalts in einem Revisionsverfahren verurteilt.
Hamdani hingegen war vom Vorwurf des illegalen Aufenthalts und illegaler wirtschaftlicher Tätigkeiten freigesprochen worden. Er kann das Land in den nächsten Stunden verlassen.
Er sei von der Justiz freigesprochen worden und habe die Ausreisebewilligung erhalten, sagte Moussa Koussa gegenüber dem arabischen Fernsehender Al-Jazeera.
Anwalt Zahaf sagte, Hamdani sei daran, sich auf die Ausreise vorzubereiten. Er werde sich zunächst zu den Passbehörden begeben, um sein Ausreisevisum zu erhalten. Der tunesisch-schweizerische Doppelbürger wolle danach umgehend nach Tunesien ausreisen.
Der Streit zwischen Libyen und der Schweiz beschäftigt heute auch die EU-Aussenminister. «Wir arbeiten weiter hart, hoffen auf ein positives Ergebnis, auch die Deutschen helfen», sagte der spanische Aussenminister Miguel Angel Moratinos vor Beginn des Treffens in Brüssel.
«Wir waren am Wochenende nahe an einer Lösung und werden nun beim EU-Aussenministerrat Spanien in seinen Bemühungen weiter unterstützen», sagte der luxemburgische Aussenminister Jean Asselborn. Spanien, welches derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, engagiere sich stark für eine Lösung des Streits zwischen Libyen und der Schweiz.
Wegen der Ausreisesperre für Göldi und Hamdani blockiert die Schweiz die Vergabe von Schengenvisa an Mitglieder der libyschen Elite. Libyen reagierte darauf mit einer Einreisesperre für europäische Bürger (Blick.ch berichtete). Nach dieser weiteren Eskalation wurde die EU aktiv und schaltete sich als Vermittlerin ein. (SDA/gux)