Gina Miller brachte Brexit vor Gericht Halb Grossbritannien hasst diese Frau

Gina Miller klagte gegen die britische Regierung – und bekam Recht. Dafür muss sie sogar Morddrohungen einstecken.

Durchkreuzte die Pläne von Premierministerin May: Gina Miller brachte ihre Klage vor Gericht durch. play

Durchkreuzte die Pläne von Premierministerin May: Gina Miller brachte ihre Klage vor Gericht durch.

AP

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Trump erträgt die Wahrheit nicht «Noch nie wohnten so viele Menschen...
2 Trump macht ernst USA ziehen sich aus Handelsabkommen TPP zurück
3 Sie spielten Billard, als die Schneewalze kam Hotel-Kinder...

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
61 shares
22 Kommentare
Fehler
Melden

Gestern fällte der Londoner High Court einen bedeutenden Entscheid: Ohne Zustimmung des britischen Parlaments kann die britische Regierung den Austrittsprozess aus der EU nicht in Gang setzen. Das ist ein harter Rückschlag für die Pläne der Premierministerin Theresa May und für das Lager der Brexit-Befürworter (51,9% sagten im Juni Ja). Hinter dem Urteil steckte als Hauptklägerin die Britin Gina Miller – die jetzt wohl meist gehasste Frau ganz Britanniens.

Im Interview mit dem «Guardian» gab Miller zu, dass sie mit einer Empörungswelle gerechnet habe. Aber sie betont: «Ich hatte immer das Gefühl und habe es immer noch, dass wir in der EU bleiben sollten, um sie von innen zu reformieren.» Und: «Grossbritannien hat eine sehr mächtige Stellung in Europa. Doch mit dem Austritt haben wir nicht nur uns selbst, sondern ganz Europa im Stich gelassen.»

«Ich konnte mit der bangen Frage nicht ins Bett gehen»

Ursprünglich kommt die 51-jährige Miller aus dem südamerikanischen Guyana, aufgewachsen ist sie in Grossbritannien. Privat führt Miller eine Firma für Vermögensverwaltung. Auch in ihrem beruflichen Umfeld hat sie sich bereits engagiert: Mit einer langjährigen Kampagne kämpfte sie für mehr Transparenz im Investmentbereich und bei den Pensionskassen.

"Volksfeinde!" - So titelte die "Daily Mail" heute über die Richter. play
"Volksfeinde!" - So titelte die "Daily Mail" heute über die Richter.

Nach dem Brexit-Votum spürte sie die innere Pflicht, etwas zu unternehmen: «Ich konnte einfach nicht jeden Tag mit der bangen Frage zu Bett gehen, was diese Entscheidung für meine Kinder und für uns alle bedeuten würde.»

Also nahm sie Geld in die Hand und beauftragte die Londoner Anwaltskanzlei Mishcon de Reya mit der Anfertigung einer Klage. Der Austritt aus der EU beraube sie eines Teils ihrer bürgerlichen Rechte. Das rechtlich nicht bindende EU-Referendum reiche deshalb nicht als Grundlage für die Auslösung des Austrittsprozesses. 

Mord- und Vergewaltigungsdrohungen 

Nach dem Urteil erntete Miller vor allem eins: Entrüstung. Wie oben zu sehen ist, landete ihr Gesicht auf der heutigen Titelseite des britischen Revolverblatts «The Sun». Darüber in grossen Lettern: «Was denkst du eigentlich, wer du bist?». Auf Facebook erhielt sie auch Mord- und Vergewaltigungsdrohungen.

Für die britische Regierung gibt es noch eine Möglichkeit, einer schwierigen und langwierigen Parlamentsdebatte zu entgehen: May kann das Urteil noch an den letztinstanzlichen Supreme Court weiterziehen.

Gina Miller lässt sich von den hochgeschaukelten Emotionen nicht beirren. Sie hält fest: «Es muss eine Debatte in unserem souveränen Parlament geben. Es ist die Mutter aller Parlamente und wir werden dafür bewundert.» (pfc)

Publiziert am 04.11.2016 | Aktualisiert am 04.11.2016
teilen
teilen
61 shares
22 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

22 Kommentare
  • Lukas  Baumgartner aus Belp
    05.11.2016
    Man muss einmal ganz klar festhalten aus welchem Grund sie das macht. Sie will den Brexit nicht, das kommt ganz klar aus dem Artikel. Das ist für mich das grössere Problem als das was sie als Grund für die Klage anführt. Sie will nicht Gerechtigkeit, sondern einfach dass sie recht hat.
    • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
      05.11.2016
      Herr Baumgartner was wollten die Befürworter wie Boris Johnson? Die Befürworter des Brexit-Ausstieges operierten vor der Abstimmung bewusst und offensichtlich mit falschen Zahlen und versprachen Dinge, die nicht einhaltbar waren. Politiker wie Farage & Co. jubeln, springen nun aber ab, wenn es darum geht, die Folgen des Brexit auszubaden und dafür Verantwortung zu übernehmen. Ist das etwa besser?
  • Roland  Wyler 05.11.2016
    Der Pressetitel müsste eigentlich richtigerweise heissen: Die Minderheit in Grossbritannien liebt diese Frau. Leider nur die Minderheit. In der Demokratie nicht relevant und deshalb vernachlässigter. Die Demokratie ist eben nur ein Schönwettermodell, wenns eng wird funktioniert das System nicht mehr. Siehe Türkei oder Trump Hillary, ein Trauerspiel und eigentlich Menschenunwürdig.
  • Müller  Erkki 05.11.2016
    In Grossbritanien wurde eine Volksbefragung gemacht und keine Volksabstimmung. Laut dem Gesetz kennen die Britten die Volksabstimmung nicht. Lesen und Verstehen ist nicht jedermanns Sache, leider!
  • Dracomir  Pires aus Bern
    05.11.2016
    So eine undemokratische, schlechte Verliererin! Aber wir sollten nicht hämisch auf die Briten zeigen, denn auch wir haben eine schlechte Verliererin, welche einen Volksentscheid im Alleingang zur Makulatur machte.
  • Erich  Buetler aus Zamboanguita
    05.11.2016
    Einige Kommentatoren hier mit ihren Anhaengern zeigen ein eigenartiges Demokratieverstaendnis, obwohl sie sich genau auf diese Demokratie berufen