Kinderhilfswerk kritisiert Adoptionen haitianischer Kinder Geschäft mit dem Mitleid

  • Publiziert: 30.01.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Lorenz Honegger, Johannes von Dohnányi und Romina Lenzlinger
play Hilflos. Das Erdbeben vom 12. Januar hat Tausende von Kindern zu Waisen gemacht. (Reuters)

Neun Kinder aus Haiti kamen über eine Adoptionsagentur in die Schweiz – der Botschafter besorgte die Ausreiseerlaubnis.

Sie überstanden Chaos, Hunger und Verzweiflung: Neun Kinder sind der Hölle von Haiti entkommen, das jüngste acht Monate, das älteste vier Jahre alt. Am Donnerstag landeten sie mit einem Sonderflug in Zürich-Kloten.

Der Schweizer Botschafter in Port-au-Prince, Urs Berner, hatte sich persönlich für die Kinder eingesetzt und beim haitianischen Premierminister Jean-Max Bellerive die Ausreiseerlaubnis erwirkt. Das Adoptionsverfahren für sieben der neun Kinder war vor dem Erdbeben noch nicht vollständig abgeschlossen, erklärt das Aussendepartement (EDA).

Wenn Naturkatastrophen Entwicklungsländer ins Chaos stürzen, wittern Adoptionsagenturen das grosse Geschäft: Sie sammeln obdachlose und bettelarme Kinder zu Dutzenden ein und fliegen sie zu zahlungskräftigen Adoptionsfamilien ins Ausland. Dafür kassieren sie saftige Vermittlungsgebühren – ein Verfahren, das Menschenrechtsorganisationen als Kinderhandel bezeichnen. Das Schweizer Kinderhilfswerk Terre des Hommes (TdH) kritisiert Adoptionen aus Krisenregionen generell: «Man sollte versuchen, den Menschen vor Ort zu helfen. Das Evakuieren von Kindern via Adoption ist keine Lösung, diese Massnahme sollte nur in Extremsituationen ergriffen werden», sagt TdH-Sprecher Rudolf Gafner. Die neun Schweizer Fälle will er nicht kommentieren.

Deren Vermittlung arrangierte gemäss zwei unabhängigen Quellen die Adoptionsvermittlungsstelle Timoun: Für eine Gebühr von 4500 Franken bietet die Organisation mit Sitz in Herzogenbuchsee BE Kinder aus Mali und Haiti zur Adoption an. «Darüberhinausgehende Aufwendungen werden zusätzlich verrechnet», heisst es auf ihrer Internetseite.

Adoptionen von haitianischen Kindern sind heikel – der Karibikstaat hat das Haager Übereinkommen zur Unterbindung von Kinderhandel nie ratifiziert. Eine Co-Präsidentin von Timoun lehnte gestern gegenüber SonntagsBlick jede Stellungnahme ab und zog am Telefon gemachte Aussagen umgehend zurück.

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