Pussy Riot Gericht vertagt Prozess

MOSKAU - In Russland sollte heute über die Berufung der drei inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot gegen ihre zweijährige Haftstrafe entschieden werden. Jetzt vertagt das Gericht den Prozess.

  • Publiziert: 01.10.2012

Ein Moskauer Gericht hat das Berufungsverfahren gegen drei Frauen der Frauenband Pussy Riot überraschend auf den 10. Oktober vertagt. Die Richterin gab einem Antrag einer der inhaftierten Künstlerinnen statt, ihren Anwalt auszutauschen.

Ihre Position stimme nicht mit der ihrer Verteidiger überein, sagte die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch heute im Gerichtssaal. Samuzewitsch muss nun erst wieder vor Gericht erscheinen, wenn ihr neuer Anwalt offiziell bestellt ist.

Zuvor hatte Ministerpräsident Dmitri Medwedew mit einer Forderung nach Milde vor einigen Wochen die Hoffnung genährt, dass Nadeschda Tolokonnikowa (22), Jekatarina Samuzewitsch (30) und Maria Alechina (24) auf Bewährung frei kommen könnten.

Sie weiter in Gefangenschaft zu halten sei «unproduktiv», sagte Medwedew. Die drei Frauen waren im August wegen einer Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau verurteilt worden. Der Fall hatte international Empörung ausgelöst.

Kurz vor Beginn der Berufungsverhandlung gegen die drei Frauen hat ihr Anwalt die Forderungen der orthodoxen Kirche nach Busse zurückgewiesen. «Falls mit Busse ein Schuldeingeständnis gemeint ist, so ist das sehr unwahrscheinlich», sagte Verteidiger Mark Fejgin heute.

Die jungen Frauen hätten stets klar gemacht, dass sie ihr umstrittenes Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche als politische Performance sehen. Bei Gläubigen, die sich durch die Aktion beleidigt fühlten, hätten sich die Künstlerinnen bereits entschuldigt.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hatte die Musikerinnen am Sonntag zur Reue aufgefordert. Wenn die Frauen Einsicht bezüglich ihrer Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin zeigten, sollte das nicht unbeachtet bleiben, hiess es in einer Erklärung des Moskauer Patriarchats.

Er rechne nicht damit, dass die Frauen freigesprochen würden, sagte Fejgins Kollege Nikolai Polosow der Agentur Itar-Tass. Allerdings erwarte die Verteidigung, dass das Urteil abgemildert werde.

Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina - beide Mütter kleiner Kinder - und Jekaterina Samuzewitsch sitzen seit Anfang März hinter Gittern. Bürgerrechtler kritisieren das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert.

Die Moskauer Polizei zog rund um das Gericht ein Grossaufgebot zusammen. Streifenwagen patrouillierten die Umgebung.

Derweil haben in Bern Aktivisten am Münsterturm ein riesiges Transparent für die Freilassung der russischen Punkband Pussy Riot aufgezogen. Ein gutes Dutzend weitere Aktivisten in bunt gestrickten Sturmhauben unterstützten die Forderung lautstark auf dem Münsterplatz. (SDA)

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Alle Kommentare (1)

  • rolf  kamber
    wenn sie gegen putin demonstrieren wollen,sollen sie das im kreml tun ! und ein paar hundert kilometer südöstlicher wären sie wohl
    schon gesteinigt worden !
    • 01.10.2012
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