Genozid von Srebrenica Karadzic und seine Massaker-Komplizen

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic (70) wurde heute zu 40 Jahren Haft verurteilt. Doch was ist mit seinen Komplizen?

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Nach über sechs Jahren steht das Urteil fest: Radovan Karadzic (70) muss 40 Jahre hinter Gitter. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beschloss dies am heutigen Prozess.

Der ehemalige Präsident der selbst ernannten bosnischen Serbenrepublik ist verantwortlich für das Massaker an knapp 8000 bosnischen Muslimen in Srebrenica im Jahr 1995. Nach dem Bosnienkrieg tauchte er jahrelang unter und wurde erst 2008 in Belgrad verhaftet.

Doch Karadzic war nicht der einzige, der beim Genozid von Srebrenica die Finger im Spiel hatte. Was geschah mit den restlichen Kriegsverbrechern? 

Vier Fälle sind noch offen

20 Männer wurden bereits am UNO-Kriegsverbrechertribunal angezeigt. 14 davon wurden schuldig gesprochen, vier der Fälle sind bis heute nicht abgeschlossen. Über 1000 Zeugen sagten bis heute aus. 

Drei Mal wurde eine lebenslange Haft ausgesprochen, schreibt «srf.ch». Die restlichen elf Urteile gegen ehemalige hohe bosnisch-serbische Offiziere lauten auf Beihilfe zum Genozid und sind Haftstrafen von fünf bis 35 Jahren.

Hauptverantwortliche sind (noch) nicht verurteilt

Starb 2006 in seiner Gefängniszelle: Slobodan Milosevic. play
Starb 2006 in seiner Gefängniszelle: Slobodan Milosevic. imago/ZUMA Press

Der wichtigste Angeklagte zum Genozid von Srebrenica entging seiner Verurteilung durch seinen eigenen Tod: Slobodan Milosevic, der frühere serbische Präsident, starb 2006 in seiner Zelle in Den Haag an einem Herzversagen - noch bevor sein Prozess beendet war. Er war das erste ehemalige Staatsoberhaupt nach den Nürnberger Prozessen, das auf der Anklagebank eines Kriegsverbrechertribunals sass.

Neben Karadzic und Milosevic ist Ratko Mladic (72) einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord. Er führte als ehemaliger bosnisch-serbischer General das Oberkommando des Überfalls auf Srebrenica. Nach 16 Jahren auf der Flucht wurde er 2011 festgenommen. Bis heute wartet er auf sein Urteil, das nächstes Jahr gefällt werden soll. 

Mladics rechte Hand Zdravko Tolimir, der ehemalig bosnisch-serbische General, verstarb Anfangs Februar im Gefängnis. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits schuldig gesprochen worden.

Der einzige, der von den UNO-Richtern bislang freigesprochen wurde, ist ein Ex-Offizier der jugoslawischen Armee. Momcilo Perisic wurde zwar von der ersten Instanz zu 27 Jahren Haft verurteilt, die Berufungskammer sprach ihn jedoch aus Mangel an Beweisen frei.

Das Tribunal dauert an

Soll nächstes Jahr verurteilt werden: Ratko Mladic. play
Soll nächstes Jahr verurteilt werden: Ratko Mladic. Keystone

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal wird sich noch lange mit den Massenmördern von Srebrenica auseinandersetzten müssen: Erst Ende 2015 wurden erneut mehrere Menschen festgenommen, die beim Massaker mitgeholfen haben sollen. Darunter der Ex-Polizeikommandant Milan Bogdanovic (65), der damals geflohene Muslime festnahm und der Militärpolizei übergab.

Der Genozid von Srebrenica gilt als das schwerste Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl die Stadt während des Bosnienkriegs von der UNO als Sicherheitszone für bosniakische Muslime erklärt worden war, nahm der damalige Armeechef Ratko Mladic das Gebiet am 11.Juli 1995 ein. Auf einen Schlag liess er rund 8000 Muslime ermorden. (kra)

Publiziert am 24.03.2016 | Aktualisiert am 24.03.2016
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5 Kommentare
  • Crocop  Crocop 25.03.2016
    Jeder verdient seine Strafe. Aber was ich einfach ungerecht finde: Was ist mit den Amis die täglich hunderte von unschuldigen Menschen töten??? Da schauen alle weg...
  • Silvio  Valentino aus Winterthur
    24.03.2016
    So viel Unsinn in einem einzigen Artikel - eine wahre propagandistische Meisterleistung! Wer sich auch nur ansatzweise mit den Ereignissen rund um Srebrenica (und mit der von langer Hand geplanten und minutiös vorbereiteten Zerstörung Jugoslawiens) befasst hat, ist auf zuviele Ungereimtheiten gestossen, um die offizielle von den Siegern verbreitete Version übernehmen zu können. Wer diese Siegerjustiz gutheisst, sollte sich an geschichtliche Vorgaben orientieren und sich zu informieren versuchen.
    • Ruedi  Lais aus Wallisellen
      25.03.2016
      "Sieger" in Srebrenica waren die Serben. Heute liegt Srebrenica in der serbischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowinas. Mit Unterstützung von Serbien will sie den Staat Bosnien-Herzegowina zerlegen. Die muslimische Bevölkerung Srebrenicas durfte nie mehr nach Hause zurückkehren. Das Kriegsverbrechen darf nicht vergessen und nicht schöngeredet werden, wie Sie es auf skandalöse Weise tun!
    • Kuder  Wälsch aus Hintertupfig
      25.03.2016
      Dann informieren Sie uns doch über die tatsächlichen Abläufe!
  • Thomas  Zürcher 24.03.2016
    Ja er hat seine Strafe verdient aber der Schuldspruch ist unverhältnismässig. Weil kein Strafmass, wie es auch ausfallen mag, im Verhältnis stehen könnte zu dem, was sich zutrug. Wichtig für die Angehörigen ist weniger das Schicksal der Täter, denn dieses bringt die Opfer nicht zurück, sondern die Tatsache, dass die Tat als solche nun eindeutig und abschliessend dargestellt wurde.