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«Ich glaube, dass es keine KZ-Gaskammern gab». Dieser Satz stammt von Richard Williamson, einem Bischof der konservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. Just diesen Williamson hat Papst Benedikt XVI. wieder in seine Reihen aufgenommen. 1988 exkommuniziert, sind die Anhänger der Priesterbruderschaft jetzt wieder in der Kirche integriert. «Eine Geste des Friedens und der Versöhnung», nannte Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi Benedikts Dekret.
Mit anderen Worten: Die Kirche versöhnt sich mit einem Holocaust-Leugner! Klar, dass das mächtig Staub aufwirbelt: zahlreiche jüdische Organisationen protestierten scharf gegen Williamsons Rehabilitierung.
Auch von einem renommierten Theologen setzt es harsche Kritik ab: Hans Küng sagte gestern gegenüber der «Tagessschau»: Der Wille zur Versöhnung mit den Anhängern der Priesterbruderschaft sei zwar positiv zu werten. «Es ist aber völlig unklar, ob die Bischöfe das zweite Vatikanische Konzil anerkennen und ob sie das Dekret über die Religionsfreiheit respektierten», kritisierte Küng.
Der Papst verliert viele Sympathien – und damit in der liberalen Schweiz wohl auch Schäfchen. Denn Benedikt XVI. hat noch ganz andere umstrittene Ansichten. So sprach er sich etwa gegen die Geschlechtsumwandlung und die Homo-Ehe aus.
Selbst in der Wissenschaft mischt die katholische Kirche munter mit: Einer Studie aus dem Dunstkreis des Vatikans zufolge soll die Antibaby-Pille Männer unfruchtbar machen. Das ist Wasser auf die Mühlen des Papstes, der bekanntlich ein vehementer Gegner der Verhütung ist.
Theologe Küng findet deutliche Worte: Das Oberhaupt der katholischen Kirche lebe in seiner eigenen Welt, habe sich von den Menschen entfremdet und sehe vor «lauter Pilgerzügen und pompösen Manifestationen» die Probleme der Gemeinden nicht mehr. Und diese seien zum Beispiel geschiedene Priester, die Sexualmoral, die Seelsorge – oder eben die Verhütung.
Die Kirche stecke in einer Krise. Er hoffe, der Papst erkenne dies, so Küng. (num/gux)
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Theologe Hans Küng: «Der Papst lebt in seiner eigenen Welt.»