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Saif al-Islam hat sich noch nie mit Kritik an seinem Vater und dem totalitären libyschen System zurückgehalten. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Time» spricht er jetzt darüber, wie Libyen aussehen würde, wenn er das Sagen hätte. Und das unterscheidet sich gewaltig vom Libyen seines Vaters.
«Unser Staat muss einen demokratischen Wandel durchlaufen», sagt der zweitgeborene Sohn Gaddafis. Er würde als Herrscher den Libyern alle Freiheiten garantieren. Ziel sei ein Mass an Freiheit wie etwa in Holland.
Ein demokratischer Staat wäre eine radikale Änderung nach der 40-jährigen dikatorischen Herrschaft seines Vaters. Ohne Gaddafi direkt zu kritisieren, sagt Saif al-Islam, dass er die «beharrenden Kräfte in Libyen allesamt für Idioten» halte.
Verwirrende Botschaften an Europa
Im Gegensatz zu seinem Bruder Hannibal, gilt Saif al-Islam als pro-westlich. Er kritisiert auch die «verwirrenden Botschaften an Europa und die USA», die Libyen derzeit signalisiere. «Ein Teil des Problems liegt auf der libyschen Seite. Es genügt nicht, dass wir andauernd den anderen die Schuld geben», sagt er im Interview.
Libyen-Kenner, wie etwas Jean Ziegler, bezeichnen die Zerwürfnisse innerhalb der libyschen Diktatoren-Familie als problematisch. Die Schweizer Geisel Max Göldi, die immer noch in libyscher Gefangenschaft ist, könne so zum Spielball der Gaddafi-Brüder werden. Beide wollen die Nachfolge ihres Vaters antreten. (gca)