Machtmensch Gaddafis Revolution dauert schon 40 Jahre

  • Publiziert: 31.08.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

TRIPOLIS – Seit Tagen tanzt Muammar Gaddafi der offiziellen Schweiz auf der Nase herum. Nun tanzen andere für ihn. Der Despot lässt sich feiern.

Während man hier immer noch auf die Rückkehr von zwei Schweizer Geiseln wartet, feiert Revolutionsführer Muammar Gaddafi den 40. Jahrestag der Machtergreifung. Als amtierender Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) sonnt sich der oft in bunte Gewänder oder fantasievolle Uniformen gehüllte libysche Staatschef derzeit in der Rolle des «Königs von Afrika».

Am 1. September sollen die Feierlichkeiten zum «40. Jahrestag der Revolution» ihren Höhepunkt erreichen. Der Jahrestag markiert das 40-jährige Amtsjubiläum Gaddafis, der seit dem Tod von Gabuns Präsidenten Omar Bongo im vergangenen Juni der dienstälteste Staatschef der Welt ist.

Gaddafi, Jahrgang 1942, hatte am 1. September 1969 gemeinsam mit einer Gruppe von Offizieren in einem unblutigen Putsch den betagten König Idris I. entmachtet. Seither steuert der Beduinensohn die Geschicke des Landes.

Viele Beobachter erstaunt es, dass sich Gaddafi schon so lange an der Spitze des libyschen Staates halten kann. Denn seine zwischen Aggressivität und Scheckbuchdiplomatie schwankende Aussenpolitik und die von ihm eingeführte «direkte Volksdemokratie» haben dafür gesorgt, dass der Lebensstandard vieler Libyer heute gering ist, obwohl das nordafrikanische Land über grosse Energievorkommen verfügt.

Doch Kritik am autokratischen Führungsstil von «Bruder Führer» hört man höchstens von einem Dutzend libyscher Oppositioneller, die im Exil leben. Parteien sind in Libyen verboten.

Zwar macht er gelegentlich taktische Zugeständnisse, doch was für ihn zählt, ist letztlich der persönliche Triumph. Das zeigte in den vergangenen Tagen der euphorische Empfang, den die Familie Gaddafi dem Lockerbie-Attentäter in Tripolis bereitete. Und auch die genussvolle Art und Weise, in der die libyschen Staatsmedien über die Entschuldigung aus Bern berichten, die hierzulande als «Kniefall vor dem Wüsten-Diktator» bezeichnet wurde.

Der Wüstensohn aus dem Zelt

Gaddafi stammt aus einer armen Familie. Gerne erzählt er, dass er in einem Zelt geboren wurde. Noch heute übernachtet der libysche Staatschef auf Auslandsreisen am liebsten in öffentlichen Parks. Allerdings ist das Zelt, in dem er heute sein von langem Haar umranktes Haupt bettet, deutlich luxuriöser als das Beduinenzelt seiner Kindheit.

Gaddafi, der Westernstiefel mit hohen Absätzen ebenso schätzt wie bunte Turbane, liebt den grossen Auftritt. Begleiten lässt er sich von einer optisch eindrucksvollen weiblichen Leibgarde. Wenn es ihm bei den Gipfeltreffen der Arabischen Liga zu langweilig wird, verlässt er einfach den Saal. Bei Auslandsbesuchen wie im Juni in Italien lässt er seine Gastgeber stundenlang warten.

Die politische Bühne will Gaddafi, der 1999 dem Terror abschwor und 2003 den Verzicht seines Landes auf Massenvernichtungswaffen verkündete, so bald sicher nicht verlassen, obschon sein Sohn Saif al-Islam schon als möglicher Nachfolger bereitsteht.

Obgleich Gaddafi inzwischen nicht mehr von der Atombombe träumt und sich nicht mehr so stark in die bewaffneten Konflikte afrikanischer Staaten einmischt wie früher, betreibt er auch heute noch Politik wie ein stolzer Stammesführer.

Das Jubiläum Gaddafis sei kein Grund zum Feiern für die Menschenrechte, sagt Amnesty International Schweiz. Die Rechte auf freie Meinungsäusserung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit seien in Libyen nach wie vor stark eingeschränkt. Regierungskritiker würden unterdrückt und es gebe keine unabhängigen Menschenrechtsorganisationen. Zudem inhaftiere Libyen aus Europa zurückgeführte Asylsuchende. (SDA)

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