Zimmersuche in New York Gaddafis Leute tarnten sich als Holländer

  • Publiziert: 22.09.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

NEW YORK – Die New Yorker lassen sich nicht so einfach austricksen wie Bundesrat Merz: Seit Wochen schon versucht Wüsten-Despot Gaddafi eine Unterkunft zu finden. Jetzt versuchte er es mit einer ganz plumpen Masche.

Gaddafis Trip an die Uno-Vollversammlung nach New York wird zur Schmach für den Wüsten-Diktator. Seine Leute putzen im Big Apple Türklinken um Türklinken, doch niemand will Libyens Staatschef Obdach geben. Der neueste Versuch seiner Gesandten sieht schon ziemlich verzweifelt aus.

Laut der britischen «Times» haben sich Gaddafis Leute in der USA als holländische Diplomaten ausgegeben, um an der Upper East Side die sechsstöckige Barclay Mansion zu mieten. Doch der New Yorker Hausverwalter liess sich nicht lange täuschen.

Komischer Akzent für einen Holländer

Ein Gesandter habe ihn angerufen und sich als «Ronald» ausgegeben, berichtete Jason Haber. «Wenn sich jemand als Vertreter der Niederlande ausgibt, nimmst du das erst als bare Münze.» Doch nach ein paar Gesprächen habe er gemerkt: «Der Akzent stimmt überhaupt nicht.» Und als dann die E-Mails der vermeintlichen Oranjes eintrafen sei der Fall ziemlich klar gewesen: «Als Absender hatten sie die Adresse der libyschen Botschaft.»

Nicht eben eine Meisterleistung der Wüsten-Diplomaten, die unseren Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz in Tripolis noch so gnadenlos über den Tisch gezogen hatten. Der Big Apple scheint sich für Gaddafi als weit schwierigere Knacknuss herauszustellen als die kleine Schweiz.

Libyscher Nomade ist nirgends erwünscht

Nomade Gaddafi ist in New York nämlich schon an verschiedensten Orten abgeblitzt: Erst wollte er sein klimatisiertes Zelt im Central Park aufstellen: abgelehnt durch die Stadtbehörden. Dann versuchte er es mit einer Villa in libyschem Besitz in New Jersey: abgelehnt, nach Protesten in der Nachbarschaft. Nächster Versuch im Hotel Pierre in New York: abgelehnt, nachdem Hotelgäste Sturm liefen.

Gestern hätte der stolze Gaddafi in New York eintreffen sollen. Statt im standesgemässen Luxus-Zelt muss er jetzt wohl in den Büros seiner diplomatischen Mission in der 48. Strasse hausen. Wo Bundespräsident Merz während der Vollversammlung residieren wird, will das Finanzdepartement gegenüber Blick.ch nicht verraten. Anzunehmen ist allerdings, dass er bei der Zimmersuche gegenüber seinem Peiniger aus der Wüste im Vorteil ist. (bih)

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