Gaddafi wollte mit Merz sprechen – er lehnte ab

  • Aktualisiert am 03.01.2012
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TRIPOLIS – Bundesrat Merz hätte offenbar die Chance gehabt, mit Libyens Diktator zu sprechen. Er lehnte ab. Sind die Geiseln deshalb noch nicht zurück?

Vor 10 Tagen reiste Bundespräsident Merz nach Libyen und unterschrieb einen Vertrag, um die Krise rund um die Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal zu beenden. Verhandeln konnte er aber nicht mit dem Diktator selbst, sondern mit dem libyschen Premierminister (blick.ch berichtete).

Wie die «NZZ am Sonntag» heute aber berichtet, wäre Gaddafi zu einem Gespräch mit Merz bereit gewesen. Allerdings erst nach der Unterzeichnung des Vertrages. Der Bundespräsident sei bereits im Auto zurück zum Flughafen gesessen, als ihm das Angebot zum Gespräch telefonisch mitgeteilt worden sei. Da man Merz allerdings nicht genau hätte sagen können, um welche Zeit dieses stattfinden solle, habe er abgesagt.

Gaddafi verärgert?

Ob die Absage des Bundespräsidenten den Diktator verärgert hat, ist unklar. Fest steht, dass die Geiseln eigentlich am Dienstag hätten zurückkehren sollen. Deshalb schickte Merz auch den Bundesrats-Jet nach Libyen (Blick.ch berichtete). Dieser flog in der Nacht auf Freitag wieder in die Schweiz zurück, allerdings ohne die beiden festgehaltenen Schweizer.

Dass Gaddafi den Schweizer so an der Nase herumführt, lässt Rücktrittsforderungen an Hans-Rudolf Merz laut werden. Mit jedem Tag, an dem die Geiseln länger in Libyen bleiben müssen, werden diese lauter. Die Anzeichen verdichten sich aber, dass es heute soweit sein könnte. Auch Libyen-Experte Jean Ziegler hält dies für gut möglich.

Forderungen massiv verschärft

Die Reise des Bundespräsidenten nach Libyen wirft weiter Fragen auf. Denn gemäss Gaddafis Schweizer Anwalt, Charles Poncet, hätten die Libyer ihre Forderungen massiv verschärft, nachdem klar geworden sei, dass Merz zu Verhandlungen erscheinen werde.

Kurz vorher sei Tripolis zu entscheidenden Zugeständnissen bereit gewesen. So habe man auf eine ausdrückliche Entschuldigung verzichten wollen. Der Bundespräsident hätte nur öffentlich sein Bedauern über die Vorfälle in Genf äussern sollen. (gca)

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