
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der Fall Libyen bleibt verworren. Gestern gab Hans-Rudolf Merz nach dem 40-minütigen Gespräch mit Muammar al-Gaddafi zwar teilweise Entwarnung: Der Wüstendiktator habe ihm in New York zugesichert, sich persönlich um das Schicksal der beiden Schweizer Geiseln in Libyen zu kümmern.
Rätselhaft ist vor allem der Verbleib der beiden Geiseln. Gaddafi liess sie gemäss Merz an einen «sicheren» Ort bringen, weil er offenbar eine gewaltsame Befreiungsaktion von Schweizer Seite erwartete. Eine absurde Vorstellung: «Kein vernünftig denkender Mensch kann auf die Idee kommen, dass die Schweiz so etwas machen würde», betont Mario Fehr, SP-Nationalrat und Mitglied der aussenpolitischen Kommission (APK).
Wo die Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani derzeit sind, weiss nicht mal das Departement von Hans-Rudolf Merz. Das bestätigt dessen Sprecher Roland Meier gegenüber Blick.ch. Seit letzter Woche hielten sie sich nicht mehr in der Schweizer Botschaft auf.
Wie Merz heute gegenüber «Radio DRS1» berichtete, lockten die Libyer die beiden Geiseln mit einem fiesen Trick aus der Botschaft heraus: Sie wurden zu einer medizinischen Untersuchung geladen – und dann flugs interniert. Hätten sie die Botschaft nicht verlassen, wären sie gemäss Völkerrecht vor dem Zugriff des libyschen Regimes geschützt gewesen. Das bestätigt Dieter Ruloff, Professor für Internationale Beziehungen an der Uni Zürich.
Das libysche Vorgehen bestätigt die pessimistische Haltung von Nationalrat Mario Fehr: «Für mich zählen in diesem Fall nur noch Fakten. Versprechungen von libyscher Seite waren bisher nichts wert: Sie haben sich an keine einzige Abmachung gehalten.» Wenigstens geht Fehr davon aus, dass es den Geiseln gut geht.
Auch Ueli Maurer glaubt nicht, dass die beiden Schweizer Geschäftsleute noch in diesem Jahr aus Libyen zurückkehren können. Das sagte er heute in einem Interview auf «Radio 1».
Das Gespräch zwischen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und Gaddafi in New York bezeichnete der VBS-Chef – in einem etwas merkwürdigen Vergleich – als «Kieselstein auf dem steinigen Weg». Ein Meilenstein sei das Treffen nicht gewesen. Die Schweiz verhandle mit einem arabischen Staat, so Maurer: «Dort hat der Zeitfaktor eine andere Bedeutung.»