Libyen-Affäre Gaddafi lockte Geiseln mit Trick aus der Botschaft

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Die beiden Schweizer Geiseln in Libyen haben die Schweizer Vertretung zwar freiwillig verlassen – aber dann schnappte die Falle von Gaddafis Leuten zu.

Der Fall Libyen bleibt verworren. Gestern gab Hans-Rudolf Merz nach dem 40-minütigen Gespräch mit Muammar al-Gaddafi zwar teilweise Entwarnung: Der Wüstendiktator habe ihm in New York zugesichert, sich persönlich um das Schicksal der beiden Schweizer Geiseln in Libyen zu kümmern.

Rätselhaft ist vor allem der Verbleib der beiden Geiseln. Gaddafi liess sie gemäss Merz an einen «sicheren» Ort bringen, weil er offenbar eine gewaltsame Befreiungsaktion von Schweizer Seite erwartete. Eine absurde Vorstellung: «Kein vernünftig denkender Mensch kann auf die Idee kommen, dass die Schweiz so etwas machen würde», betont Mario Fehr, SP-Nationalrat und Mitglied der aussenpolitischen Kommission (APK).

Keiner weiss, wo die Geiseln stecken

Wo die Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani derzeit sind, weiss nicht mal das Departement von Hans-Rudolf Merz. Das bestätigt dessen Sprecher Roland Meier gegenüber Blick.ch. Seit letzter Woche hielten sie sich nicht mehr in der Schweizer Botschaft auf.

Wie Merz heute gegenüber «Radio DRS1» berichtete, lockten die Libyer die beiden Geiseln mit einem fiesen Trick aus der Botschaft heraus: Sie wurden zu einer medizinischen Untersuchung geladen – und dann flugs interniert. Hätten sie die Botschaft nicht verlassen, wären sie gemäss Völkerrecht vor dem Zugriff des libyschen Regimes geschützt gewesen. Das bestätigt Dieter Ruloff, Professor für Internationale Beziehungen an der Uni Zürich.

Das libysche Vorgehen bestätigt die pessimistische Haltung von Nationalrat Mario Fehr: «Für mich zählen in diesem Fall nur noch Fakten. Versprechungen von libyscher Seite waren bisher nichts wert: Sie haben sich an keine einzige Abmachung gehalten.» Wenigstens geht Fehr davon aus, dass es den Geiseln gut geht.

Maurer rechnet nicht mit baldiger Rückkehr

Auch Ueli Maurer glaubt nicht, dass die beiden Schweizer Geschäftsleute noch in diesem Jahr aus Libyen zurückkehren können. Das sagte er heute in einem Interview auf «Radio 1».

Das Gespräch zwischen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und Gaddafi in New York bezeichnete der VBS-Chef – in einem etwas merkwürdigen Vergleich – als «Kieselstein auf dem steinigen Weg». Ein Meilenstein sei das Treffen nicht gewesen. Die Schweiz verhandle mit einem arabischen Staat, so Maurer: «Dort hat der Zeitfaktor eine andere Bedeutung.»

Gabs Merz-Lob für Gaddafis Uno-Schelte?

Hat Merz Gaddafi wirklich für dessen wirre 90-Minuten-Rede vor der Uno-Vollversammlung gratuliert? Das behauptet zumindest die libysche Nachrichtenagentur (Blick.ch berichtete). Zur Erinnerung: Der «Revolutionsführer» hatte den Sicherheits-Rat als «Terror-Rat» verunglimpft. SP-Nationalrat Mario Fehr glaubt nicht, dass Merz sich zu so einer Aussage verstieg. Die Agenturmeldung sei vielmehr ein weiterer Fall, in dem die «Schweiz von dieser üblen Diktatur propagandistisch vorgeführt wird». Auch CVP-Nationalrätin Kathy Riklin spricht von «dummen Spielchen» der Libyer. Das Departement Merz hingegen will die angebliche Aussage seines Chefs noch nicht dementieren. Zuerst müsse er mit seinen Leuten in New York telefonieren, sagt EDF-Sprecher Roland Meier. (hhs)
1 / 2 Bildern
Bildinformation einblenden

Top 3

1 Dicke Hintern sind gesund Warum grosse Hinterteile im Vorteil sindbullet
2 Neues Bild aufgetaucht Hier sitzt Breivik nach seinem Massenmord in...bullet
3 Bestien im Blutrausch So brutal sind Hundekämpfe in Pakistanbullet

Ausland