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Freundlich sei der Josef Fritzl (73). Hilfsbereit. Nett. Erzählen die Nachbarn. Einer, der gern fischen geht, am Stammtisch Witze erzählt. Bei Bedarf technische Geräte repariert. Wenn er sich nicht gerade im Garten aufhält. Ein normaler Rentner halt. Vielleicht ab und zu etwas herrisch daheim. Eindeutig der Herr im Haus.
Im Nachhinein wissen die Nachbarn weshalb: Josef Fritzl ist einer, der immer die Kontrolle haben will. Und dafür zieht er alle Register. Raffiniert. Abgefeimt.
Denn der freundliche Grossvater: Das ist Fassade. Seinen Nachbarn spielt er nur den Gärtner vor. Und er narrt sie offenbar alle. Im Garten liegt der Eingang zu seinem Verlies des Grauens. Dort will er hin, denn dort unten übt er die totale Kontrolle aus.
Über seine Tochter. Über seine Kinder, die er mit seiner Tochter gezeugt hat.
Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith wagt einen Blick hinter die freundliche Fassade. Sie diagnostiziert bei Fritzl eine schwere Persönlichkeitsstörung und ein herabgesetztes Selbstwertgefühl.
Er habe seine Tochter «als Partnerin herangezogen. Er hat sich letztlich eine jederzeit verfügbare Sklavin gehalten. Nach seinen Bedürfnissen benutzt.»
Dass der Mann ein Doppelleben in einer «Beziehung mit der Ehefrau und gleichzeitig mit seiner Tochter führte, sei nicht einzigartig», erklärt eine Psychologin gegenüber der Zeitung «Österreich oe24».
«So etwas passiert ja leider öfters, dass ein Mann sein eigenes Kind missbraucht und die Mutter sagt, sie habe nichts mitbekommen.» Aber was Josef Fritzl getan hat, ist in seiner Ungeheuerlichkeit weltweit einzigartig.
Und trotzdem: Schizophren ist er nicht. Er leidet nicht an einer gespaltenen Persönlichkeit, sind die Fachleute überzeugt. «Schizophrene Menschen sind viel zu labil, das Ganze über so lange Zeit durchzuziehen.» Das Martyrium der Tochter dauerte 24 Jahre.
Im Gegenteil: Josef Fritzl ist offenbar hochintelligent. Er hat sogar eine plausible Erklärung dafür, wieso plötzlich drei Kinder auftauchen. Die er in Wahrheit mit seiner Tochter im Verlies gezeugt hat.
«An dieser Legendenbildung hat niemand gezweifelt», sagt Gabriela Peterschofsky-Orange von der Jugendanwaltschaft Niederösterreichs.