Polizei verhört Bruder des ermordeten Vaters. Erkannten die Mädchen den Mörder? Gehts um ein grosses Erbe? Englische Nachbarn: Familie reiste überstürzt ab. Internationale Sonderkommission ermittelt.
Der Vierfachmord um die englische Camperfamilie und einen französischen Velofahrer bei Annecy (F), eine halbe Stunde von der Schweizer Grenze entfernt, gibt Rätsel auf. Jetzt könnten erste Spuren in die Schweiz führen. Wie die grosse britische Zeitung «Daily Mail» schreibt, besitzt die irakischstämmige Familie etliche Immobilien in Europa, auch in der Schweiz!
Am 29. August verlässt die Familie zu fünft ihr Haus im Londoner Nobelvorort Claygate, um nach Frankreich zu reisen. Die Campingferien kommen für die Nachbarn überraschend. «Sie sind überstürzt abgereist», berichtet einer.
Eine Woche später werden Saad al-Hilli (†50), Ehefrau Ikbal und seine Schwiegermutter sowie ein französischer Velofahrer auf einem Waldparkplatz in der Ferienregion am See von Annecy erschossen. Die Töchter Zahina (8) und Zeena (4) überleben.
Al-Hilli war erfolgreicher Unternehmer. Vor zehn Jahren flüchtete der Ingenieur vor Saddam Husseins Regime. Er erledigte Aufträge für eine Rüstungsfirma. Britische Medien vermuten, dass al-Hilli ein Erbstreit mit seinem Bruder Zaid zum tödlichen Verhängnis wurde. Vor einem Jahr starb ihr reicher Vater. Die Brüder zerstritten sich. Saad soll Zaid aus der Firma geworfen haben.
Laut «Daily Mail» gings um 1,4 Millionen Franken und eine Villa in der Schweiz, nebst anderen Immobilien. «Die einzige Sache, die sicher erscheint, ist ein grosser Streit zwischen den beiden Brüdern um Geld», sagt auch der zuständige französische Staatsanwalt Eric Maillaud. Zaid al-Hilli erfuhr vom Tod seines Bruders aus den Medien, wie er der Polizei sagt. «Ich habe nichts damit zu tun!», bekräftigt er.
Zaid meldete sich bei den Behörden, um sich von jeglichem Verdacht zu befreien. Französische Ermittler sind nach London geflogen, um ihn zu befragen. «Wir haben eine internationale Sonderkommission eingerichtet», sagte Maillaud gestern an der Medienkonferenz. «Die Suche nach den Tätern läuft auf Hochtouren, aber wir stehen erst am Anfang.»
Einziger Hinweis: Zeugen sahen einen Peugeot mit Allradantrieb und einen Mann in schwarzem Hemd. Der Killer gab laut englischen Medien 15 Schüsse in 30 Sekunden ab. So effizient arbeite nur ein Profi. Die vier Opfer starben durch Kopfschüsse.Kann die ältere Tochter der Familie den Ermittlern helfen, den Mörder ihrer Eltern zu finden? Hat sie ihn erkannt? Zahina liegt nach einer zweiten OP im künstlichen Koma. Die Achtjährige konnte noch nicht verhört werden. Sie erlitt einen schweren Schädelbruch.
Schwesterchen Zeena ist schwer traumatisiert. Die Vierjährige lag über acht Stunden unter ihrer toten Mutter im Familienauto. Gestern wurde sie kurz von zwei Polizisten befragt. Ihr erster Satz war: «Wo ist Mami?»