Frankreichs Premier Valls steht auf Mariannes Busen Hier prangen die Gründe für ein Burkini-Verbot

PARIS - In Frankreich streiten sich Politiker und Gerichte um Burkinis. Nun sagt Premier Manuel Valls mit Blick auf Frankreichs Nationalfigur: Das Verbot ist historisch belegt!

Burkini-Verbot Frankreich: Premier Valls findet historische Begründung play
Das berühmte Bild der Marianne mit nacktem Busen und phrygischer Mütze. Es wurde gemalt von Eugène Delacroix (1798-1863).

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Der sozialistische Premierminister Manuel Valls (54) ist für Gleichberechtigung und Freiheit. Darum steht er auch hinter einem Burkini-Verbot. Valls zieht dabei mit der französischen Nationalfigur Marianne ins Feld. Die wird auf Gemälden und als Statuen oft barbusig dargestellt.

In der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wurde Marianne zum Symbol der Freiheit und damit gleichzeitig der französischen Republik.

Burkini-Verbot Frankreich: Premier Valls findet historische Begründung play
Premier Manuel Valls.  AFP

Der Sohn einer Tessinerin sagte an einer Kundgebung in der Nähe von Toulouse: «Mariannes Brust ist nackt, weil sie das Volk nährt. Sie ist nicht verhüllt, weil sie frei ist. Das ist die Republik.» Und Valls betonte, dass beim Platz der Frau in der Gesellschaft nicht nachgegeben werden dürfe.

Für den Premier sind Ganzkörper-Schwimmanzüge der Musliminnen eine «Bekräftigung eines politischen Islamismus im öffentlichen Raum».

Ausgerechnet von Frauenseite bekommt Valls nun für seine Aussagen Prügel. Die Historikerin Mathilde Larrère wirft ihm eine Vermischung vor. «Valls verwechselt die Republik und das Recht der Frauen. Hat er vergessen, dass sie unter der Republik lange keine Freiheit hatten?»

Grüne Politikerinnen weisen darauf hin, dass Mariannes Kopf auf manchen Darstellungen bedeckt sei – wie bei einer Muslimin. Diese Kritikerinnen wissen aber offenbar nicht, dass es sich bei dieser Kopfbedeckung um eine phrygischen Mütze handelt. Das ist kein Zeichen von Verhüllung oder Unterwerfung, sondern ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit.

Burkini-Verbot Frankreich: Premier Valls findet historische Begründung play
An gewissen Orten verboten: eine Frau im Burkini (hier in Marseille). REUTERS

In Frankreich tobt seit einigen Wochen ein Streit um das Burkini-Verbot. Nach einer Massenschlägerei auf Korsika führten mehrere Orte – darunter Nizza – ein Burkini-Verbot ein. Das oberste Verwaltungsgericht hob diesen Bann aber wieder auf.

Burkinis werden auch zum Thema beim Wahlkampf ums Präsidentenamt am 23. April 2017. Der konservative Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (61) peilt ein politisches Comeback an. Schon jetzt stellt er eine Verfassungsänderung in Aussicht, um Burkinis verbieten zu können. (gf)

Publiziert am 31.08.2016 | Aktualisiert am 03.09.2016
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20 Kommentare
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    31.08.2016
    Herr Delacroix hat sich hier gleich selbst mit verewigt, der Mann mit schwarzem Zylinder links von Marianne. Immerhin gelangt es ihnen sowohl 1830 als auch 1848 eine ihnen nicht mehr genehme Regierung auf den Barrikaden zu stürzen. Da reichte es in Deutschland gerade einmal zu einem Überfall auf die Konstabler Wache in Frankfurt oder die gewählten Volksvertreter hatten die 1848-Revolution in theoretischen Grundsatzdiskussionen solange zerredet bis nichts mehr übrig blieb.
  • Burkhard  Vetsch 31.08.2016
    Was spricht gegen Burkini?
    Man sieht keine nackte Haut. was einigen Männern auf den Geist geht.
    Viele Frauen liegen in muslimischen Ländern nackt am Strand.
    Ich finde das nicht gut. Anpassen, auf beiden Seiten.
    Aber das fällt uns Reichen Europäer sehr schwer.
    Wo ist die Toleranz geblieben?
  • Roger  Hausherr 31.08.2016
    Grundsätzlich lässt sich über Bademode streiten. Man betrachte mal vor 100 Jahren, welche Badeuniformen damals In waren. Heute wollen wir jedoch die islamische Revolution verhindern. Weil uns unsere Freiheit und Kultur am Herzen liegt. Das ist der Faktor, dass wir uns nicht islamische Werte aufzwingen lassen wollen. Wer sich öffentlich nicht zeigen will, soll bitteschön zuhause bleiben.
  • Bill  Cheswick 31.08.2016
    Burkiniverbot: Reine Symbolpolitik, um billig Stimmen zu fangen. Ein demokratisches Land sollte es nicht nötig haben, Menschen vorzuschreiben, wie sie ins Wasser steigen, es sei denn aus hygienischen Gründen. Sogar Spitzenschwimmer jagten zeitweise ganzkörperverhüllt nach Rekorden, nur hiess das Bodysuit...
    • Marion  Jost aus Schönenwerd
      31.08.2016
      Tja, ähnlich habe ich argumentiert, aber bekam viele Daumen runter, ich vermute das ist schon ein Automatismus sobald man meinen Namen sieht, der Inhalt ist dann einfach Wurst!
  • Peter  Marthaler aus Chur
    31.08.2016
    Wenn am selben Strand Nacktbaden erlaubt ist, dann sollen auch Burkinis erlaubt sein ;) Hart durchgegriffen sollte werden, wenn es Übergriffe auf leichtbekelidete oder nackte Frauen gibt. Muslime haben die freizügigerige Gesinnung im Westen auch zu akzeptieren, selbst wenn ihre Frauen diese übernehmen sollten.