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Eigenartige Schatten, fehlende Töne, seltsame Zeitsprünge: Das rätselhafte Betancourt-Video

War es doch keine Befreiungsaktion? Wurde Ingrid Betancourt freigekauft? Das Video über ihre Rettung sollte Klarheit schaffen. Das Gegenteil ist der Fall.

Martin Meier | Aktualisiert um 07:06 | 08.07.2008
Warum merkten die Rebellen nichts? Gedreht haben das Video kolumbianische Sicherheitskräfte, erklärt General Mario Montoya. Sie hätten sich bei den Rebellen als Journalisten ausgegeben. Warum haben die Rebellen nicht bemerkt, dass keine Profis am Werk sind, dass der Kameramann beim Filmen wackelt wie ein blutiger Anfänger?
Warum fehlen Zeitangabe und Ton? Mal ist eine Zeitangabe auf dem Band zu sehen, dann wieder nicht. Und dann gibt es unzählige Timecode-Sprünge. Es fehlen im Ablauf Sekunden. Manchmal flimmern die Aufnahmen, dann sind die Bilder sogar für Sekundenbruchteile weg. Zeitweise fehlt auch der Ton. Was darf die Welt nicht hören oder sehen?
Warum auf offenem Feld? Die Farc-Rebellen leben seit Jahren im Dschungel, damit sie nicht entdeckt werden. Aber hier stehen sie auf offenem Feld, für jeden Spionage-Satelliten sofort zu entdecken. Trotzdem kommen die Geiselnehmer ganz unverkrampft aus ihrem sicheren Versteck. Weil sie wissen, dass sie nichts zu befürchten haben?
Warum der weite Schattenwurf? 2. Juli 2008: Der Tag ist exakt 13 Stunden, 28 Minuten und 40 Sekunden alt. Gemütlich schlendern die Geiseln über das offene Feld zum Heli. Umgehängt haben
sie ihre wenigen Habseligkeiten. Es ist Mittagszeit.
Die Sonne brennt, steht hoch am Himmel. Warum dann dieser weite Schattenwurf?
Warum keine Hektik? Alles schön der Reihe nach. Nur keine Hektik. Während die Helis längst da sind, nehmen sich die echten und falschen Rebellen Zeit. Minutenlanges Geplauder. Gemütlich werden die Geiseln in Handschellen gelegt. Warum haben die Farc-Terroristen dies nicht schon längst im Schutze des Dschungels getan?
Warum ihr gutes Aussehen? Volle Wangen, entspannte Gesichtszüge. Wir hatten Ingrid Betancourt anders in Erinnerung. Auf Bildern, die uns aus der Gefangenschaft erreichten, war sie ausgemergelt, scheinbar am Ende. Insider berichteten zudem, sie sei schwer krank. Doch jetzt geben ihre Ärzte Entwarnung: Ingrid Betancourt ist kerngesund.
Ingrid Betancourt (46) hält sich zurzeit in ihrer zweiten Heimat Frankreich auf, und dort will sie vorerst auch bleiben. Vor allem wegen ihrer Kinder, die so viel gelitten hätten, sagte die Politikerin dem kolumbianischen Radiosender Caracol.

Sie werde auch nicht an der für den 20. Juli in Bogotá geplanten Demonstration zur Freilassung der Geiseln teilnehmen: «Ich habe Angst.» Sie wolle aber an einer Kundgebung in Paris mitwirken: «Von hier aus kann ich viel mehr beitragen.» Betancourt versprach, sie werde sich für die 700 Geiseln einsetzen, die noch in der Gewalt der Farc sind.
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