Forschungen abgebrochen Die «Pille für den Mann» macht zu traurig

Verhütung ist meist Frauensache. Ein Grund dafür: Die hormonelle Prävention birgt Nebenwirkungen. Diese werden den Männern nicht zugetraut – den Frauen seit Jahrzehnten aber schon.

«Pille für den Mann»: Abbruch der Studie wegen Nebenwirkungen play
Verhütung ist Frauensache – die Nebenwirkungen dazu auch. BLI_2011_03_23

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Ihr droht lebenslange Haft 17-Jährige vergewaltigt jungen Mann
2 Papa hat sich vertwittert Trump lobt die falsche Ivanka
3 Wegen Brexit UBS könnte 1000 Jobs aus London abziehen

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
4 shares
Fehler
Melden

Männer sind das schwache Geschlecht – zumindest wenn es um Verhütung geht. Seit Jahrzehnten forschte die Medizin an einer hormonellen Verhütungsmethode für den Mann. Dann der Durchbruch: Ein internationales Forschungsteam braute einen Hormoncocktail, der die Spermienproduktion bei Männern reduziert, sodass diese vorübergehend unfruchtbar sind.

Die gleichen Nebenwirkungen – andere Reaktion

Aber: Die Probanden litten an Nebenwirkungen wie veränderter Libido, Gewichtszunahme und depressiven Verstimmungen – ähnlich wie Frauen, die mit hormonellen Mitteln wie der Pille verhüten.

Der Unterschied: Dem Mann konnte dieses Leid wohl nicht zugetraut werden – die WHO-Studie wurde 2011 unterbrochen. Erst jetzt wurden alle Resultate im «Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism» veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Verhütung für den Mann eigentlich funktioniert.

Alle acht Wochen bekamen die Probanden zwischen 18 und 45 Jahren eine Injektion mit einer synthetisch hergestellten Mischung aus Sexualhormonen. Nach maximal 26 Wochen war bei fast allen weniger als eine Million Spermien pro Milliliter Ejakulat vorhanden – die Probanden galten damit als zeugungsunfähig.

In 56 Wochen wurden mit dieser neuartigen Verhütung nur vier Frauen von 320 Paaren schwanger. Laut Forscher war die Methode zwar weniger sicher als die Pille, aber durchaus zuverlässig, schreibt «spiegel.de».

«Männer können mit Hormonen erfolgreich verhüten»

«Es ist sehr wichtig, dass wir andere Verhütungsmethoden für Männer entwickeln», sagt Biochemiker Doug Colvard, der bei der Entwicklung des Präparats mitgearbeitet hat. «Die Studie hat gezeigt, dass Männer mithilfe von Hormonen erfolgreich verhüten können. Die Hormonspritzen waren zuverlässig und die Männer nach dem Ende der Studie wieder zeugungsfähig.» Es seien bereits neue Studien im Gange, bei denen andere Hormonzusammensetzungen getestet würden.

Ob dies die Nebenwirkungen vermindert, ist fraglich, denn auch vorherige Studien hätten gezeigt, dass sogar Placebo-Gruppen über Stimmungsschwankungen geklagt hatten – obwohl diese keine Hormonpräparate bekommen hatten. (kra)

Publiziert am 06.11.2016 | Aktualisiert am 06.11.2016
teilen
teilen
4 shares
Fehler
Melden