Folterjets: Wer am Steuerknüppel sitzt

  • Publiziert: 10.07.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • VON HENRY HABEGGER

BERN – Die Entführung des Islamisten Abu Omar führte 2003 durch Schweizer Luftraum. BLICK-Recherchen zeigen, wer die amerikanischen Piloten des CIA-Folterjets waren. 17. Februar 2003. Ein CIA-Kommando kidnappt in Mailand den Islamisten Abu Omar. Durch Schweizer Luftraum wird er mit einem US-Armee-Learjet nach Ramstein in Deutschland geflogen. Von dort wird der Prediger im 14-plätzigen Business-Jet N85VM nach Kairo zur Folter ins Gefängnis gebracht. Erst kürzlich wurde er freigelassen.Zentrale Frage, die Ermittler in Deutschland, der Schweiz und Italien beschäftigt: Wer waren die Entführer an Bord der Jets? Hinweise geben Ermittlungen der spanischen Polizei, die drei Landungen dder N85VM in Palma de Mallorca im Jahr 22004 untersuchte. Ans Licht kamen 13 Namen samt Passnummern von Amerikanern, die an Bord waren. Vier von ihnen waren bei allen Landungen dabei. Der Folterjet hatte also eine ständige Crew, und die dürfte auch 2003 an der Abu-Omar-Entführung beteiligt gewesen sein.BLICK konnte beispielsweise anhand von Daten der US-Luftfahrtbehörde vier Piloten des Folterjets identifizieren:Captain James C. (53), verheiratet, wohnt im Bundesstaat New York, ist Angestellter der Firma, die den Jet betreibt. Chefpilot C. war es, der in Palma jeweils die Hotelzimmer für Crew und Passagiere reservierte. Pilot David H. (47), verheiratet, wohnt im Staat New York. Pilot David W. (45), wohnt im Staat New Hampshire. Pilot Leroy B. (59 ), verheiratet, wohnt in Florida. Auch seine Frau ist Pilotin.Identifizierbar sind aber nicht nur die Piloten. Etwa auch Eric J. (36), der mit Diplomatenpass reiste und zur Greifertruppe der CIA gehören dürfte. J. wohnt in Fairfax, Virginia, nahe der CIA-Zentrale. Sein Haus kaufte er 2005 für 380000 Dollar.Oder Adam B. (31), aufgewachsen in einer Kleinstadt in Pennsylvania. Er absolvierte das katholische College, diente in der Feuerwehr, signierte im Internet als Leutnant der Army. Er studierte Medizin an einer renommierten Universität. Die bildet ihre Medizinstudenten auch in Fort Bragg aus, dem Ausbildungs- und Einsatzzentrum der Terror-Spezialeinheiten der Armee. Heute arbeitet B. als Assistenzarzt in Florida. Sein Fachgebiet: Herzchirurgie. Am 3. Mai 2004 gehört Adam B. zur Besatzung der N85VM, die aus Washington kommend in Mallorca landet. Die sieben Amerikaner an Bord steigen in einem der besten Hotels ab. Tags darauf geht die Reise weiter nach Rabat, Marokko. Dorthin, wo sich laut Europarats-Ermittler Dick Marty ein CIA-Geheimgefängnis befindet.B., so der Verdacht, wirkte als Arzt bei Entführungen mit. Oder im marokkanischen Folter-Gefängnis. Oder beides.Fragen von BLICK beantwortete keiner der Amerikaner. Auch die europäischen Staatsanwälte kommen nicht weiter, können die Verdächtigen nicht befragen. Die Bush-Regierung verweigert jede Zusammenarbeit, wie der deutsche Oberstaatsanwalt Eberhard Bayer aus Zweibrücken gegenüber BLICK bestätigt. Bayer, der im Fall Abu Omar ermittelt: «Wir können nicht beweisen, wer an der Entführung beteiligt war.» Er habe zwar Abu Omar befragen können, aber: «Er konnte keinen der Entführer erkennen. Entweder waren ihm die Augen verbunden. Und wenn er was sah, sah er nur Maskierte», sagt Bayer. «So werde ich, wenn nicht noch neue Erkenntnisse auftauchen, das Verfahren wohl einstellen müssen». Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt in der Entführung. Ob sie mehr Erfolg hat, ist fraglich. Über den Stand des Verfahren schweigt sie sich aus.

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