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Wo die Folterjets heute fliegen

von Henry Habegger | Aktualisiert um 16:25 | 11.07.2007

BERN – Die CIA verkaufte ihre zwei bekanntesten Folterjets an Casino-Milliardäre in Australien und den USA. Bloss ein neues Tarnungsmanöver? BLICK zeigt, dass CIA-Flugzeuge Europa weiterhin heimsuchen.



Bekannt wurde der 12-plätzige Gulfstream-Businessjet mit der Nummer N379P als «Guantánamo Bay Express». Weil er von seinem Besitzer, dem US-Geheimdienst CIA, für den Transport von Terrorverdächtigen eingesetzt wurde.

Jetzt ist der Jet vor allem in Australien anzutreffen. Neuer Besitzer ist laut BLICK-Recherchen seit ein paar Monaten das Crown-Casino in Melbourne. Dessen Besitzer, der Milliardär James Packer, gilt als der reichste Mann Australiens. Das Crown-Casino reagierte nicht auf eine BLICK-Anfrage um Stellungnahme.

Zufall oder nicht: Auch der zweite Jet, der der CIA-Tarnfirma Premier Executive Transport Services gehörte, ist im Casino-Business gelandet. Offizieller Besitzer der VIP-Boeing N313P ist die MGM Mirage Aircraft Holdings, die zum Konzern des Casino-Milliardärs Kirk Kerkorian aus Las Vegas gehört. Mit dieser Boeing wurde etwa der deutsche Muslim Khaled al-Masri entführt.

Mysteriös ist: Den ersten und einzigen Flug für die MGM absolvierte die neuerdings unter dem Kennzeichen N720MM registrierte Boeing am 10.Oktober 2006. Seither steht sie, falls den Daten der US-Luftfahrtbehörde zu trauen ist, auf einer Militärbasis in Texas.

Zum Verkauf angeboten wird derzeit ein weiterer CIA-Jet. Die Gulfstream N500GV, die im Februar 2003, nur Tage vor der Entführung des Islamisten Abu Omar in Mailand, zwei Mal in Sitten im Wallis landete.

Sicher ist: Die CIA führt die europäische Öffentlichkeit weiterhin an der Nase herum. Seit dem Auffliegen der Affäre um Geheimgefängnisse greift der Geheimdienst zu neuen Tricks, um die Flugbewegungen zu tarnen.

Nicht nur setzt die CIA neue, unbekannte Flugzeuge ein. Bei bisherigen wechselt sie laufend die Kennzeichen und die Briefkastenfirmen, auf die sie registriert sind. Zudem lässt der Geheimdienst die Flugdaten der Jets bei der US-Luftfahrtbehörde sperren, was die Rückverfolgung der Flugbewegungen zwar erschwert, aber immerhin nicht unmöglich macht.

So getarnt, tauchen die CIA-Jets weiter in Europa auf. Beispiel Flughafen Pula an der kroatischen Adriaküste, nur gut 100 Kilometer Luftdistanz von Venedig entfernt. Von März bis Oktober 2006 landen hier nicht weniger als sechs verschiedene CIA-Flugzeuge; alle mit gesperrten Flugdaten. Die drei Casa-Transporter N168D, N187D und N196D der CIA-Firma Devon Holding & Leasing. Und die drei kleinen Beech-Jets N299AL, N4456A und N5139A der Aviation Specialties, einer CIA-Firma.

Oder Constanta, Schwarzes Meer, Rumänien. Im November 2006 landen drei mysteriöse US-Boeings innert 3 Wochen 15-mal auf der Basis, in deren Nähe sich laut CIA-Ermittler Dick Marty ein Geheimgefängnis befand. Einer der Jets hiess bis letztes Jahr N368CE und wurde etwa vom deutschen «Stern» der CIA zugeordnet.

Die Schweiz bleibt nicht verschont. Die Gulfstream N1HC etwa, die auch schon in Guantánamo auftauchte, landete am 24. Juni 2007 erstmals in Genf.
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Die CIA-Affäre

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 machen die USA jenseits von Völker- und Menschenrechten Jagd auf angebliche oder tatsächliche Terroristen. Und halten sie nicht nur in Guantánamo, sondern weltweit in immer wechselnden Geheimgefängnissen fest. Das ist nur möglich dank Flugzeugen, die getarnt für den Geheimdienst unterwegs sind. In einer kleinen Serie zeigt BLICK unbekannte Hintergründe und neue Entwicklungen der Affäre.

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