Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 machen die USA jenseits von Völker- und Menschenrechten Jagd auf angebliche oder tatsächliche Terroristen. Und halten sie nicht nur in Guantánamo, sondern weltweit in immer wechselnden Geheimgefängnissen fest. Das ist nur möglich dank Flugzeugen, die getarnt für den Geheimdienst unterwegs sind. In einer kleinen Serie zeigt BLICK unbekannte Hintergründe und neue Entwicklungen der Affäre.
Wie der Jet eines Baslers zum Folterflieger wurde
von Henry Habegger | Aktualisiert um 06:27 | 09.07.2007
BASEL – In der CIA-Affäre um verschleppte Terrorverdächtigte und geheime Gefängnisse liegt vieles noch im Dunkeln. Bei Recherchen stiess BLICK auf den Schweizer Kurt L., den Chefpiloten einer nachmaligen CIA-Boeing.
Die Flugroute war ungewöhnlich für ein mit Schlaf- und Arbeitsräumen, Badezimmern und Küche ausgestattetes VIP-Flugzeug, das oft mit Rockbands unterwegs ist.
Am 19. September 2004 nämlich flog die Boeing 707, Kennzeichen N88ZL, vom US-Gefangenenlager Guantánamo zur US-Basis Bagram in Afghanistan. Am 21. September war der Jet wieder in Miami (USA). Zwei Tage später teilte das US-Verteidigungsministerium mit: 11 Guantánamo-Insassen seien nach Afghanistan überführt worden. Im Gegenzug seien 10 Gefangene aus Afghanistan in Guantánamo eingetroffen.
Klar ist: Die zum VIP-Jet mit 19 Plätzen umgebaute Boeing wurde von der US-Regierung im Kampf gegen den Terror eingesetzt.
Überraschung: Der langjährige Chefpilot der N88ZL ist Schweizer. Er heisst Kurt L. und kommt aus Basel. L. bestätigt: «Ja, ich flog jahrelang mit der N88ZL um die Welt.» Aber: «Mit den CIA-Flügen habe ich nichts zu tun.»
Er habe die VIP-Boeing nämlich Anfang 2003 verkauft. Samt der Firma «Lowa Ldt», auf die der Jet registiert ist. Käufer war der amerikanische Geschäftsmann David B. aus Miami, Florida. Der braucht die VIP-Boeing offiziell, um Rockbands um die Welt zu fliegen.
L. selbst las, wie er erzählt, 2006 im BLICK von der CIA-Verwicklung des Jets. «Da habe ich David B. angerufen und ihn gefragt, ob das stimmt. Er antwortete: Ja, wir haben schon mal einen Flug für die US-Regierung gemacht», sagt L.
B. vermietete seinen Jet allerdings mehr als nur einmal der CIA. Die N88ZL flog seit 2003 zahlreiche Destinationen gerade in Nahost und Afrika an, die wenig mit Rockbands zu tun haben. Den Militärflughafen von Riad (Saudi-Arabien) etwa. Und letzte Woche war der Jet in Suleimania im Nordirak. Er kam aus Camp Springs bei Washington D.C. Die US-Militärbasis ist gleichzeitig der Regierungsflughafen, von wo etwa die Air Force One startet.
«B. ist kein Gangster, er ist einfach ein Geschäftsmann», sagt L.
So transportierte B. im Januar 2006 den US-Rocker Jon Bon Jovi. Dabei schoss die N88ZL bei der Landung in Toronto über den Pistenrand hinaus. Der Musiker und erklärte Gegner der Bush-Regierung kam mit dem Schrecken davon.
Eine andere Geschichte ist, wie der Basler L. zur nachmaligen CIA-Boeing kam. L.: «Ich bin seit 1974 als Pilot im Dienst des Sultanats von Oman.» Zuerst flog er einen Pilatus Porter der Flugbereitschaft des Sultans, dann einen Learjet der Polizei. «Und seit 1979 fliege ich die zwei wichtigsten persönlichen Berater des Sultans auf weltweiten Einsätzen», sagt L. Für das Sultanat kaufte L. 1984 von der Lufthansa die N88ZL. In Basel wurde sie für rund sieben Millionen zum VIP-Jet umgebaut. 2002 schaffte sich das Sultanat einen neuen Jet an, die Boeing wurde verkauft.
BLICK versuchte vergeblich, B. für eine Stellungnahme zu erreichen.
Am 19. September 2004 nämlich flog die Boeing 707, Kennzeichen N88ZL, vom US-Gefangenenlager Guantánamo zur US-Basis Bagram in Afghanistan. Am 21. September war der Jet wieder in Miami (USA). Zwei Tage später teilte das US-Verteidigungsministerium mit: 11 Guantánamo-Insassen seien nach Afghanistan überführt worden. Im Gegenzug seien 10 Gefangene aus Afghanistan in Guantánamo eingetroffen.
Klar ist: Die zum VIP-Jet mit 19 Plätzen umgebaute Boeing wurde von der US-Regierung im Kampf gegen den Terror eingesetzt.
Überraschung: Der langjährige Chefpilot der N88ZL ist Schweizer. Er heisst Kurt L. und kommt aus Basel. L. bestätigt: «Ja, ich flog jahrelang mit der N88ZL um die Welt.» Aber: «Mit den CIA-Flügen habe ich nichts zu tun.»
Er habe die VIP-Boeing nämlich Anfang 2003 verkauft. Samt der Firma «Lowa Ldt», auf die der Jet registiert ist. Käufer war der amerikanische Geschäftsmann David B. aus Miami, Florida. Der braucht die VIP-Boeing offiziell, um Rockbands um die Welt zu fliegen.
L. selbst las, wie er erzählt, 2006 im BLICK von der CIA-Verwicklung des Jets. «Da habe ich David B. angerufen und ihn gefragt, ob das stimmt. Er antwortete: Ja, wir haben schon mal einen Flug für die US-Regierung gemacht», sagt L.
B. vermietete seinen Jet allerdings mehr als nur einmal der CIA. Die N88ZL flog seit 2003 zahlreiche Destinationen gerade in Nahost und Afrika an, die wenig mit Rockbands zu tun haben. Den Militärflughafen von Riad (Saudi-Arabien) etwa. Und letzte Woche war der Jet in Suleimania im Nordirak. Er kam aus Camp Springs bei Washington D.C. Die US-Militärbasis ist gleichzeitig der Regierungsflughafen, von wo etwa die Air Force One startet.
«B. ist kein Gangster, er ist einfach ein Geschäftsmann», sagt L.
So transportierte B. im Januar 2006 den US-Rocker Jon Bon Jovi. Dabei schoss die N88ZL bei der Landung in Toronto über den Pistenrand hinaus. Der Musiker und erklärte Gegner der Bush-Regierung kam mit dem Schrecken davon.
Eine andere Geschichte ist, wie der Basler L. zur nachmaligen CIA-Boeing kam. L.: «Ich bin seit 1974 als Pilot im Dienst des Sultanats von Oman.» Zuerst flog er einen Pilatus Porter der Flugbereitschaft des Sultans, dann einen Learjet der Polizei. «Und seit 1979 fliege ich die zwei wichtigsten persönlichen Berater des Sultans auf weltweiten Einsätzen», sagt L. Für das Sultanat kaufte L. 1984 von der Lufthansa die N88ZL. In Basel wurde sie für rund sieben Millionen zum VIP-Jet umgebaut. 2002 schaffte sich das Sultanat einen neuen Jet an, die Boeing wurde verkauft.
BLICK versuchte vergeblich, B. für eine Stellungnahme zu erreichen.
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