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Italienische Untersuchungsakten belegen heisse Spur in die Schweiz: CIA-Entführer erholte sich in Genf

von henry habegger und beat kraushaar | Aktualisiert um 00:11 | 18.01.2006

Bern/Genf – Als es in Italien brenzlig wurde, tauchte CIA-Agent Robert Lady 2004 in Genf unter. Und brachte sich so vor den Mailänder Staatsanwälten in Sicherheit, die ihm wegen der Entführung des Imams Abu Omar auf den Fersen waren.



2004 erhält CIA-Agent Robert Seldon Lady (51) Wind davon, dass ihm die Mailänder Justiz auf der Spur ist. Dass sie eine geheime Untersuchung eingeleitet hat, weil Lady in Mailand die Entführung des radikalen Imams Abu Omar plante und ausführte.

Der Top-Agent reagierte. Er flüchtete in die sichere Schweiz. Nach Genf.

Das geht aus Dokumenten der Mailänder Staatsanwaltschaft hervor, die der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» und BLICK vorliegen.

In einem Mail, das die italienische Polizei in Ladys elektronischem Postfach fand, schrieb ihm CIA-Agentin Susan Czaka am 24. Dezember 2004: Sie sei gewarnt worden, nicht mehr nach Italien zu gehen, weil die Justiz ermittle. An Lady gerichtet: «Ich machte mir wirklich Sorgen, du könntest in Italien in einer Zelle sitzen.» Doch dann, so die besorgte Susan weiter, habe sie über eine andere Agentin (die jetzt wie Lady international gesucht wird) erfahren: Lady sei «nunmehr in Genf».

Agentenchef Lady im sicheren Genf. Die Formulierung deutet darauf hin, dass Lady sich längere Zeit dort versteckte. Wochen, vielleicht Monate. Wenn er nicht schon wieder da ist.

Bei wem? In einem Genfer CIA-Unterschlupf? Ladys Mailänder Anwältin konnte oder wollte diese Fragen gestern auch nicht beantworten: «Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum Mr. Lady in Genf war.»

Lady soll später in sein Geburtsland Honduras abgetaucht und jetzt in den USA sein.

Die Bundesanwaltschaft, die immer noch wegen CIA-Flügen und Handlungen von Agenten in der Schweiz ermittelt, will zum Lady-Mail keine Stellung nehmen.

Ein italienischer Richter hat mittlerweile gegen Lady und 21 weitere Entführungs-Agenten einen EU-Haftbefehl erlassen. Der gilt in der Schweiz nicht. Das Kidnapping, das am 17. Februar 2003 stattfand, führte via US-Basis Ramstein (D) und durch Schweizer Luftraum nach Kairo.

Lady und zwei Kumpane waren schon eine Woche nach der Entführung in der Schweiz. Von Zürich aus flog Lady nach Kairo (BLICK berichtete). Just zu der Zeit, als Abu Omar im Gefängnis gefoltert worden sein soll.

Die Absenderin des verräterischen Mails an Lady heisst übrigens nicht Susan Czaka. Laut Informationen der «Chicago Tribune» ist das nur ein CIA-Deckname. Lady dagegen heisst angeblich wirklich Lady. Was ihm in den USA den Spruch eintrug: «Lady is no lady.»
Artikel aus der Zeitung
CIA-Agent Robert Seldon Lady tauchte nach der Entführung eines Terrorverdächtigen in Genf ab. (Keystone)
CIA-Agent Robert Seldon Lady tauchte nach der Entführung eines Terrorverdächtigen in Genf ab. (Keystone)

Der Lady-Krimi

17. Februar 2003: Ein CIA-Kommando unter Robert Seldon Lady entführt in Mailand den Imam Abu Omar nach Kairo. 24. Februar: Lady fliegt via Zürich nach Kairo. Abu Omar wird gefoltert. 7. März: Lady fliegt via Zürich nach Mailand. Nimmt seine Tarnarbeit als Konsul wieder auf. 2004: Lady flüchtet nach Genf, weil Italien ermittelt. Sommer 2005: Mailänder Richter legen Beweise für die Entführung vor. Herbst 2005: Lady beruft sich auf diplomatische Immunität. Ein Richter lehnt die Klage ab. Dezember 2005: EU-Haftbefehl gegen Lady und 21 andere CIA-Agenten. Noch heute sind alle flüchtig.

Rückendeckung für Bundesrat

Bern – Die Aussenpolitische Kommission (APK) des Nationalrats stellt sich voll hinter die zögerliche Haltung des Bundesrats. Für die Existenz von US-Foltergefängnissen in Europa lägen «keinerlei Beweise auf dem Tisch», sagte APK-Präsident Luzi Stamm (SVP) zum Entscheid, keine Rüge an die Adresse der USA zu richten (gestern im BLICK). Ein entsprechender Antrag des Grünen Geri Müller wurde mit 14 gegen 3 Stimmen abgelehnt.

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