Flüchtlings-Doku holt Goldenen Bären Das sind die grossen Berlinale-Sieger

BERLIN - Achtzehn Filme im Wettbewerb, acht erhalten einen Preis: Die Berlinale-Jury streut ihre Anerkennung breit. Doch das Flüchtlingselend nimmt sie besonders in den Blick.

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Am Ende war es der erwartete Favoritensieg: Gianfranco Rosis Dokumentarfilm «Fuocoammare» über die Insel Lampedusa, die wie kaum ein Ort sonst für die Flüchtlingskrise steht, ist Gewinner des Goldenen Bären der 66. Berlinale.

«Fuocoammare» (deutsch: «Feuer auf See») wurde zuvor bereits mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet und erhielt auch den Filmpreis von Amnesty International.

Erstmals seit vielen Jahren ging die wichtigste Trophäe damit an einen Dokumentarfilm. In «Fuocoammare» erzählt der 51-jährige Regisseur in teils schonungslosen Bildern vom Flüchtlingselend auf der Insel Lampedusa.

«Ich widme diesen Preis den Menschen von Lampedusa, die ihr Herz den Menschen öffnen, die dort ankommen», sagte Rosi.

Zuletzt hatte Italien 2012 einen Goldenen Bären erhalten. Zur Berlinale waren in diesem Jahr bewusst viele Filme eingeladen, die sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen, bei dem Festival wurde für Flüchtlinge gesammelt.

Jude Law und Colin Firth gehen leer aus

Als beste Darstellerin konnte sich die bekannte dänische Schauspielerin Trine Dyrholm über einen silbernen Bären freuen. Sie spielt in Thomas Vinterbergs Film «Die Kommune» (original: «Kollektivet») eine Frau, die der Langeweile ihrer Ehe durch Gründung einer Kommune entkommen will.

Bester Darsteller wurde der Tunesier Majd Mastoura in der Emanzipationsgeschichte «Hedi» (original: «Inhebbek Hedi»). Dafür musste etwa das grandiose Schauspielerduo Jude Law und Colin Firth aus dem Literaturdrama «Genius» (Michael Grandage) auf eine Auszeichnung verzichten. 

Auch Regie-Altmeister André Téchiné und seine tollen Schauspieler, darunter der Westschweizer Jungschauspieler Kacey Mottet Klein, gingen mit der Coming-Out-Story «Quand on a 17 ans» leer aus.

Den Grossen Preis der Jury erhielt der bosnische Regisseur Danis Tanovic für «Tod in Sarajevo» (original: «Smrt u Sarajevu»). Für die beste Regie wurde die erst 35-jährige Französin Mia Hansen-Løve mit ihrem Film «Die Zukunft» (original: «L'avenir») ausgezeichnet, in dem Isabelle Huppert eine kühle Philosophiedozentin spielt.

400 Filme, 300'000 Eintrittskarten

Der Kameramann Mark Lee Ping-Bing bekam die Auszeichnung für die beste künstlerische Arbeit in dem poetischen Flussmovie «Gegenströmung» (original: «Chang Jiang Tu»). Für das beste Drehbuch wurde der Pole Tomasz Wasilewski geehrt, der in seinem Film «Vereinigte Staaten der Liebe» (original: «Zjednoczone Stany Milosci») auch Regie führte.

Für den Acht-Stunden-Film «A Lullaby to the Sorrowful Mystery» des Philippinen Lav Diaz gab es den Alfred-Bauer-Preis für innovative Filmkunst. Jury-Präsidentin Streep sagte nach dem Wettbewerbsmarathon: «Wir sind beschwingt und energiegeladen angesichts all der tollen Filme, die wir gesehen haben.»

Insgesamt waren bei der 66. Auflage der Berliner Festspiele mehr als 400 Filme und reichlich Stars zu sehen, allen voran US-Beau George Clooney. Schon vor Tagen waren über 300'000 Eintrittskarten verkauft.

Am Sonntag geht die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende. Im Vorjahr hatte der iranische Film «Taxi» von Jafar Panahi den Goldenen Bären gewonnen. (SDA)

Publiziert am 20.02.2016 | Aktualisiert am 20.02.2016
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