FARC-Vermittler Gontard im Visier der Justiz

  • Publiziert: 15.07.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

BOGOTA – Hat der Genfer Jean-Pierre Gontard der FARC für eine Geiselbefreiung 500'000 Franken Lösegeld übergeben? Kolumbiens oberster Staatsanwalt meint: Ja!

Der kolumbianische Generalstaatsanwalt Mario Iguarán will eine Strafuntersuchung gegen Gontard eröffnen. Die Ermittler sollen den Westschweizer zu seinen Kontakten zur FARC-Guerilla vernehmen. Es gebe Hinweise dafür, dass er eine Verschwörung angeführt oder sich an einer Verschwörung beteiligt habe, so Iguarán.

Wenn nötig werde man auf internationale Rechtsmittel zurückgreifen, damit Gontard der kolumbianischen Justiz Red und Antwort stehe, drohte der Staatsanwalt.

Belastende Aussagen von Santos

Sein Entscheid stütze sich auf Aussagen von Verteidigungsministers Juan Manuel Santos.

Dieser hatte verlauten lassen, E-Mails, die auf dem Computer des in Ecuador getöteten FARC-Kommandanten Raúl Reyes gefunden wurden, deuteten darauf hin, dass Gontard der marxistischen Guerilla 2001 knapp 500000 Millionen Dollar Lösegeld in Costa Rica übergeben habe. Gontard hätte damit seine Funktion als «Mediator» überschritten.

Die Vorwürfe gegen Gontard wurden kurz nach der militärischen Befreiung von Ingrid Betancourt Anfang Juli laut. Sie beziehen sich auf eine frühere Geiselfreilassung von zwei Mitarbeitern des Pharmakonzerns Novartis (Blick.ch berichtete). (SDA/hhs)

EDA geht in die Offensive

Die Schweiz setzt sich gegen die Kritik an ihrem Vermittler Jean-Pierre Gontard zur Wehr. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verlangt von Kolumbien, dass Schluss ist mit den wiederholten Angriffe gegen den Genfer. Der Schweizer Botschafter in Bogotá bekam den Auftrag, bei der kolumbianischen Regierung die Einstellung der Angriffe einzufordern. Das Aussenministerium habe aus den Medien von der möglichen Strafuntersuchung gegen Gontard erfahren. Von offizieller Seite sei Bern noch nicht darüber informiert worden. Die Schweiz nehme diese Berichte sehr ernst.
play Jean-Pierre Gontard auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Reuters)

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