Facebook als Lebensretter für Schwule

  • Publiziert: 04.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

TORONTO – «Interessiert an: Männern» – ein solcher Eintrag auf Facebook kann schwule Flüchtlinge aus islamischen Ländern vor der Ausweisung bewahren – und dem Tod.

Schwule haben in vielen Ländern einen schweren Stand. Wen die Sittenwächter in Saudi-Arabien, im Iran oder Sudan bei homosexuellen Liebesaktivitäten erwischen, muss gar mit der Todesstrafe rechnen.

Kein Wunder, setzen sich viele Homosexuelle aus islamischen Ländern in die westliche Welt ab, wo liberale Gesetze herrschen – so auch nach Kanada. Dort gilt Verfolgung wegen Schwulseins als Asylgrund. Doch was tun, wenn der mürrische Immigrationsbeamte einen Beweis für die sexuelle Ausrichtung präsentiert haben will?

Natürlich ziehen die verzweifelten Einwanderer alle Register, um die Abschiebung in ihre Heimat zu verhindern, düstere Gefängniszellen, Folterbänke oder das Schafott vor Augen. Als Beweismittel dient ihnen neuerdings die Internet-Community-Site Facebook, wie «The Canadian Press» berichtet.

«Ich benutze Facebook, weil die Leute dort persönliche Informationen über sich preisgeben und vor allem, zu wem sie welche Beziehung haben», erläutert der Immigrationsanwalt El-Farouk Khaki, der sich auf homosexuelle Asylsuchende spezialisiert hat.

Seine Klienten hätten in ihrem Ursprungsland zum Teil jahrzehntelang ihre sexuelle Ausrichtung zu verbergen versucht. Doch wenn sie im Westen angekommen sind, können sie die neue Freiheit geniessen – und hinterlassen unter Umständen ihre Spuren im Internet.

«Es ist wie ein Puzzle, und du musst versuchen, dort ein kleines Stückchen herzubekommen und dort ein anderes, bis du ein grösseres Bild der Identität eines Menschen konstruieren kannst», erzählt El-Farouk Khaki. Dazu können Briefe beitragen, Bilder von Schwulenfesten wie Gayprides oder Mitgliedschaften in schwulen Chaträumen.

Auch Diego Macias von «Among Friends» (Unter Freunden), einer Gruppe, die schwulen und lesbischen Einwanderern hilft, greift gerne auf Facebook zurück. «Wir haben eine Facebook-Gruppe mit hunderten Fotos von Gaypride-Umzügen. Wenn Neuankömmlinge der Gruppe beitreten, animiere ich sie, das gegenüber den Behörden als Beweis zu verwenden.»

Macias befürchtet nun aber, dass die Immigrationsbehörde den Facebook-«Beweis» nicht mehr lange akzeptieren wird – schliesslich kann dort jeder seinen Eintrag beliebig gestalten und auch flunkern, wenn es nötig ist. (hhs)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland