Experten erklären die schreckliche Tat von Katharina Katit-Stäheli Die Mutter wollte ihr Baby erlösen

Sie glaubte, dass die Ärzte ihrem Kind nur schaden wollten. Die überzeugte Veganerin fühlte sich in die Enge getrieben – und sah nur noch einen Ausweg.

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Sind esoterische Ideen für die Menschen gefährlich?

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Der Fall wühlt die Schweiz auf: Katharina Katit-Stäheli (40) entführt ihren zehn Monate alten Sohn Dylan, flüchtet nach Spanien. Sie wird gefasst und ins Spital gebracht. Dort kommt es zu einem unfassbaren Drama: Die Mutter bittet darum, den kleinen Dylan, der mit einem Wasserkopf zur Welt gekommen war, waschen zu dürfen. Als sie allein ist, holt sie aus ihrer Tasche ein Küchenmesser – und schneidet ihrem eigenen Söhnchen die Kehle durch. Dann versucht sie, sich mit demselben Messer zu richten. Das misslingt – sie ist schwer verletzt.

Was treibt eine Mutter zu einer solch schrecklichen Tat? Katharina Katit-Stäheli lebte in den vergangenen Jahren zurückgezogen. Sie ist eine überzeugte Veganerin – lehnt also alle tierischen Produkte ab. Statt mit Freunden verbringt sie ihre Zeit lieber mit ihren Pferden. Und sie interessiert sich stark für dubiose esoterische Figuren. Online nimmt sie Kontakt mit ihnen auf. Gurus mit obskuren Weltbildern wie Kabael J.*, der ein spirituelles Zentrum in Portugal führt. Er gibt zu, mit Katharina in Kontakt gestanden zu haben.     

Gaben ihre esoterischen Überzeugungen den entscheidenden Impuls zu ihrer Tat? Vieles spricht dafür. Sekten-Experte Georg Otto Schmid sagt: «In ganz radikalen Kreisen wird die Haltung vertreten: ‹In die Klauen der Schulmedizin zu geraten, führt früher oder später zum Tod.›» Solche Leute glauben ernsthaft, sie «erlösten» ihr Kind mit ihrer Tat. Schmid: «Aus einer solchen Sicht ist es für das Kind besser, durch die Hände der eigenen Mutter einen schnellen Tod zu sterben, als durch den Eingriff der Schulmedizin langsam und qualvoll zugrunde zu gehen.»

Das sieht der Facharzt für Psychiatrie, Ralph Aschwanden, ähnlich. Ihr Tötungsmotiv könnte eine «wahnhafte Dimension» angenommen haben. Wenn sie sich in sektiererischen Kreisen bewegt habe, wäre die Tötung in diesem Fall – aus wahnhafter Sicht gesehen – eine «Erlösung» oder «Rettung» des Kindes vor der «bösen Schulmedizin». Gemäss Aschwanden könne auch zutreffen, dass sich die Frau der Last des behinderten Kindes entledigen wollte. «Der eigene Suizidversuch wäre dann ein Versuch, auch als Opfer dazustehen.» 

Ihr Vater, Othmar Stäheli (69) bestätigte vergangene Woche: «Sie glaubt, sie muss ihr Kind vor den Ärzten schützen.» Die Behörden hatten ihr das medizinische Sorgerecht für ihr Baby entzogen. Die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, Corinne Bouvard, sagt: «Dylan brauchte zu diesem Zeitpunkt dringend medizinische Hilfe.» Ansonsten habe eine schwere körperliche Behinderung gedroht – oder gar sein Tod.

Mit solchen Argumenten drang man bei Dylans Mutter nicht durch. Sie entführte in der Nacht auf Heiligabend ihren Sohn und floh. Als sich die Polizei an die Öffentlichkeit wandte, sprach auch ihr Vater. Er gab sich besorgt, bat seine Tochter, zurückzukehren. Mittlerweile werfen ihm die Behörden vor, er habe ihr bei der Flucht geholfen – er sitzt jetzt in U-Haft.

Noch konnte sie nicht zu ihrer Tat befragt werden. Welchen Einfluss die Esoterikszene tatsächlich auf die schrecklichen Entscheidungen Stähelis hatte, entziehe sich deshalb der Kenntnis der Staatsanwaltschaft, sagt Sprecherin Corinne Bouvard.

Der Zustand der schwer verletzten Frau ist mittlerweile stabil.

*Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 26.01.2014 | Aktualisiert am 26.01.2014

Die lange Flucht von Katharina und Dylan

28. Februar 2013: Dylan kommt in Waldshut (D) zur Welt. Er hat einen schweren Geburtsfehler (Wasserkopf) und wird operiert.

Am 3. Dezember soll Dylan ein zweites Mal im Kinderspital operiert werden. Doch die Mutter ist mit der Operation nicht einverstanden und flüchtet nach Prag. Die Grossmutter holt die beiden dort am 16. Dezember ab und bringt sie in die Schweiz. Mutter Katharina weigert sich, mit Dylan ins Spital zu gehen und fährt in ihre Wohnung in Waldshut.

Dort holen Polizisten sie ab  und bringen die beiden nach Zürich. Am 23. Dezember gegen 23 Uhr treffen sie im Kinderspital ein. Die Mutter nutzt einen Moment der Unachtsamkeit und türmt – seither waren die beiden verschwunden.

Am 17. Januar veröffentlicht die Kantonspolizei Zürich eine Fahndungsmeldung und setzt eine Belohnung von 2500 Euro aus.

Am 22. Januar werden die beiden in einem Supermarkt im südspanischen Torrevieja von einer Deutschen erkannt – die Guardia Civil bringt Katharina und Dylan ins Spital.

Im Spital von Torrevieja tötet Katit-Stäheli am Abend desselben Tages ihren Sohn und versucht, sich selbst umzubringen.

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22 Kommentare
  • Martin  Lüssi , via Facebook 26.01.2014
    mich nervt wann nun wieder alle anhänger von esotherischem Gedankengut in die "Spinnerecke" gestellt werden. Dylans Mutter hatte offenbar ein von den esotherischen Gedankengut unabhängiges psychisches Problem. Ich kenne viele anhänger die esotherischem Gedankengut folgen und trotzdem mit beiden Beinen im Leben stehen.
  • Markus  Gross 26.01.2014
    Kaum ist mal eine Frau der Täter sorry, die Täterin, wird nach allen möglichen Ausreden gesucht. In die Enge getrieben, böse Schulmedizin, "unglücklich" einer Sekte gefolgt, etc. Wäre es der Vater gewesen, der sein Kind entführt und danach brutal ermordet hat, würde es hier ganz anders tönen! Diese Frau ist nichts Anderes als eine eiskalte Mörderin, die ein wehrloses Wesen auf brutalste Art ausgelöscht hat. Für solch gestörte Personen gibt es nur eins: lebenslange Verwahrung!
  • Urech  Hanna aus Basel
    26.01.2014
    Es wäre so unendlich schön und ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Kind und der Familie, wenn man endlich aufhören würde zu urteilen, zu beurteilen und zu generalisieren.- Täglich werden Kinder Opfer brutalster Misshandlung, Schändung. - Es geht manchen schon lange nicht mehr um Dylan, sondern nur seine Wut über irgendetwas herauszulassen. Veganer=Mörder. Bin keiner!Wer hat der Mutter wo ist der Vater?? beigestanden. Hätte sie das Kind abgetrieben würde hier keiner schreien!
  • Christine  Mollet-Wyss , via Facebook 26.01.2014
    Tagtäglich werden in der Schweiz Kinder von Aerzten ermordet weil sie z.B mit einer Trisomie 13 oder einer anderen Krankheit zur Welt kämen. Da kräht kein Hahn danach. Aber wenn eine Mutter entscheidet dass es ihrem schwerbehinderten Kind bei den Sternen besser geht wird sie verurteilt. Man hetzt sie noch dass sie zur Verzweiflungstat greift:-
    • monika  Huber aus zürich
      26.01.2014
      Und weil es "schwerbehindert" ist hat sie die Lizenz zum Töten?
      Das Kind hatte einen Geburtsfehler, ihm hätte hier in der CH geholfen werden können, mit grosser Wahrscheinlichkeit hätte es ein normales Leben führen können. Diese hilfsresistente Mutter scheint in grosser Verblendung gehandelt zu haben...
  • Häuptling  Auge , via Facebook 26.01.2014
    Mir stellt sich die Frage warum sie die Schulmedizin abgelehnt hat? Sicher nicht weil sie deswegen in ihrem Umfeld jemand zu beklagen hatte sondern weil andere psychoheinis Einfluss auf sie nahmen und wohl wehement Dinge behaupteten um sie zu verunsichern. Einfach so wird man nicht zum Esoteriker. Esotherisches Denken ist teilweise Verantwortungslos und jenseits jeglicher realität. Ich sag nur Uriella!